Spargelsaison 2006
Zu wenig deutsche Erntehelfer

Die Maßnahme sollte deutschen Arbeitslosen zumindest kurzfristig zu einer Arbeit verhelfen: Bei der Spargelernte müssen die Betriebe in diesem Jahr mehr deutsche Erntehelfer einsetzen. Doch die neue Regelung scheint nach hinten loszugehen. Schon sehen Spargelbauern ihre Ernte in Gefahr.

HB HAMBURG. Die deutschen Spargelbauern klagen über zu wenig Erntehelfer. Vielfach werden die politischen Vorgaben zum Einsatz deutscher Arbeitskräfte kritisiert, andere beklagen das Fehlen polnischer Saisonkräfte. Nach der vom Bund verabschiedeten Eckpunkteregelung darf jeder Betrieb 80 Prozent der Zahl ausländischer Erntehelfer aus dem Jahr 2005 beschäftigten. Wenn mehr Kräfte benötigt werden, gibt es nach einer Arbeitsmarktprüfung eine Erweiterung um weitere 10 Prozent.

„Der Spargel kann bei vielen Betrieben nicht rechtzeitig gestochen werden, die Qualitäten leiden und als Folge müssen wir Preiseinbußen hinnehmen - nur weil die Politik uns Steine in den Weg legt“, sagte der Vorsitzende der Vereinigung niedersächsischen Spargelanbauer, Dietrich Paul. „Unsere Ertragseinbußen gehen zu Lasten der Bundesregierung“, kommentierte Paul die Bemühungen der Bundesregierung, deutsche Arbeitslose als Erntehelfer auf die Spargelfelder zu bekommen. „Ich kenne keinen Berufskollegen, der die versprochenen zehn Prozent deutsche Arbeitskräfte erhalten hat.“ Von Tag zu Tag würden die Probleme größer.

Die fränkischen Spargelbauern nannten die Regelung nicht praxisgerecht. Sie müsse verbessert werden, sagte der Geschäftsführer des Spargel-Erzeugerverbandes Franken, Theo Däxl. Zwar hätten einige Betriebe durchaus sehr positive Erfahrungen mit deutschen Arbeitslosen gemacht. Andere aber müssten große Einbußen hinnehmen. „Dort, wo es nicht funktioniert, können die Felder nicht abgearbeitet werden“, sagte er. Dies läge in erster Linie daran, dass es viel zu lange dauere bis Ersatz für ausgefallene Erntehelfer eintreffe. „Bis neue Leute vermittelt werden, vergehen manchmal vier Wochen. Dann ist die Spargel-Saison schon fast vorbei“, sagte Däxl. Er rechnet damit, dass die Kosten bei den Bauern insgesamt erheblich höher sein werden, als das, was der Staat durch den Einsatz von Arbeitslosen spart.

In Mecklenburg-Vorpommern haben die Spargelbauern mit deutschen Helfern weitgehend schlechte Erfahrungen gemacht. „Die meisten kommen ein bis zwei Tage, dann bleiben sie weg, weil es ihnen zu schwer ist“, sagte Brigitte Gerstmaier von der Landwirtschaftsberatung M-V in Schwerin. Politische Aktionen dürften nicht auf dem Rücken der Betriebe ausgetragen werden. Unter acht bis zehn Deutschen seien höchsten ein bis zwei, die wirklich arbeiten wollen und können.

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