"Speiseeis-Produktion ausgelastet"
Zu wenig Wasser unterm Kiel

Für manch deutschen Binnenschiffer wird das Wasser knapp: Weil die Flüsse auf Grund der Hitze nur noch wenig Wasser führen, müssen die Binnenschiffer auf einigen Wasserstraßen die Ladung ihrer Schiffe reduzieren.

DÜSSELDORF. Auf Teilen der Elbe beispielsweise dürfen Schiffe nur noch zu 20 Prozent beladen sein, sagt Erwin Spitzer vom Bundesverband deutscher Binnenschifffahrt. Panik sei aber nicht angebracht: „Das ist nicht der Untergang der Binnenschifffahrt.“ Zum einen teilen sich Auftraggeber und Reeder durch Niedrigwasser entstandene Schäden, außerdem machen die betroffenen Wasserstraßen nur einen geringen Teil des Geschäfts aus: Das Güteraufkommen auf der Elbe betrage laut Spitzer jährlich nur 1 bis 2 Mill. Tonnen. Auf dem Niederrhein sei es mit rund 200 Mill. Tonnen jährlich wesentlich höher, ein Erliegen des Verkehrs wegen Niedrigwasser sei dort aber undenkbar.

Der Sommer macht nicht nur den Binnenschiffern zu schaffen – viele Branchen leiden unter dem guten Wetter: Kino-Betreiber, Landwirte, Einzelhändler, sie alle leiden unter dem wochenlangen Sonnenschein.

Die Kino-Betreiber beklagen, dass sich besonders im Juli immer mehr Leute gegen einen Kino-Besuch entschieden haben. Das macht sich auch in den Halbjahres-Zahlen bemerkbar. Hier bilanziert die Spitzenorganisation der Deutschen Filmwirtschaft (SPIO) einen Rückgang um 10 % gegenüber dem Vorjahr.

Dass der Sommer den Landwirten zu schaffen macht, werden die Verbraucher bald an den Preisen für Obst und Gemüse merken. Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner geht davon aus, dass diese bald steigen werden. Die anhaltende Hitze habe bundesweit bereits Getreide auf 3,5 Millionen Hektar Land geschädigt und zu Ausfällen von einer Milliarde Euro geführt. Pommes-Frites werden bereits teurer, meldet die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle. Bei der anhaltenden Hitze wachsen übergroße, von der Frittenindustrie bevorzugte Kartoffeln langsamer. Ein Sprecher der Handelsgruppe Rewe rechnet dagegen nicht mit einem Preisanstieg infolge der Hitze: „Große Zulieferer überstehen die Warmwetterphase mit entsprechenden Bewässerungsanlagen.“ In Deutschland sei Wasser glücklicherweise nicht knapp.

Von „signifikant zunehmendem Wasserkonsum und einer Auslastung der Speiseeis-Produktion“ spricht Nestlé, Brau & Brunnen von einem „Run“ auf Wasser und Bier. Coca Cola meldet gar eine „Ausnahmesituation“: Hitze und Dosenpfand steigerten die Nachfrage nach dem Zuckerwasser in Mehrwegflaschen so stark, dass das Unternehmen Kunden mit einer Werbekampagne – „Wanted“ – um die Rückgabe zu Hause gelagerter Mehrwegflaschen bat.

Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), wünscht sich ein Ende der Hitzewelle: „20 Grad und leicht bewölkter Himmel ist für den Einzelhandel das optimale Wetter.“ Bei der „übergroßen Hitze“ habe der Handel starke Konkurrenten: Freibäder und Badeseen. Besonders leistungsstark scheint angesichts dieser Tatsache die Klimaanlage des Kaufhof am Marienplatz in München zu sein: Dort ist die Zahl der Kunden laut Geschäftsführer Wolfram Struth in den vergangenen zwei Monaten um 8 % gestiegen. Er vermutet, dass vor allem junge Kunden das Angebot verlängerter Öffnungszeiten nutzen, um nach einem Badetag in klimatisierten Räumen einzukaufen.

Von der Hitze unberührt sind dagegen die Mitarbeiter, die bei Thyssen-Krupp in Duisburg 1 500 Grad heißes Roheisen aus dem Hochofen heben. Das ist bei 35 Grad genauso unangenehm wie bei minus 15 Grad.

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