Spektakulärer Prozess
„Guru“ kontrollierte französische Adelsfamilie

Sie ließen sich jahrelang völlig von ihm manipulieren - und verloren ihren gesamten Besitz: Eine französische Adelsfamilie hat ihren Kontakt zu einem Guru bitter bezahlt. Thierry T. steht nun in Bordeaux vor Gericht.
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BordeauxVor einem Strafgericht in Bordeaux hat am Montag der Prozess gegen einen 48-Jährigen begonnen, der fast zehn Jahre lang eine französische Adelsfamilie vollkommen kontrolliert und sie um ihren gesamten Besitz gebracht haben soll. In dem Verfahren drohen dem von französischen Medien als „Guru“ bezeichneten Thierry T. bis zu zehn Jahre Haft. Er muss sich unter anderem wegen Freiheitsberaubung, Betrugs sowie Gewalt gegen eines seiner Opfer verantworten.

Der Fall hatte in Frankreich für Schlagzeilen gesorgt: Thierry T. lernte 1999 die Adlige Ghislaine de Védrines kennen und wurde in einer ihr gehörenden Sekretärinnenschule angestellt. Nach und nach lernte er auch die anderen Mitglieder der südwestfranzösischen Adelsfamilie kennen und erschlich sich deren Vertrauen, indem er ihnen weismachte, sie seien durch ein Freimaurerkomplott bedroht und er selber sei ein Geheimagent mit der Aufgabe, sie zu beschützen.

Elf Mitglieder der Adelsfamilie - damals zwischen 16 und 86 Jahre alt - ließen sich zwischen 2001 und 2009 vollkommen von T. manipulieren. Sie zogen sich jahrelang vollständig auf das Familienschloss von Monflanquin zurück, einige folgten T. 2008 ins britische Oxford.

In der Zeit soll T. die Konten der Familie geplündert und den gesamten Familienbesitz verkauft haben. Einen Großteil der so erbeuteten mehr als 4,5 Millionen Euro soll er indes dem ebenfalls angeklagten Jacques G. gegeben haben, den er als seinen „Chef“ bezeichnet.

In dem Verfahren wird Richterin Marie-Elisabeth Bancal zwei Wochen Zeit haben herauszufinden, wie es dem im Oktober 2009 festgenommenen T. gelingen konnte, sich die Familie vollkommen untertan zu machen. Geprüft werden muss auch, ob es womöglich einen Sekten-Hintergrund gab.

T. drohen bis zu zehn Jahre Haft, Jacques G. könnte zu bis zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt werden. Zum Prozessauftakt erschienen auch viele Mitglieder der Familie de Védrines in dem Gericht in Bordeaux.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • ohje und die geht doch laut Emmmerichs 2012 Endzeitdrama unter...

    so stirbt wieder ein weiterer Teil des alten Adels aus, da fragt man sich wie die überhaupt so lange überleben konnten.

  • Schon dumm, wenn Reichtum das Denken erlahmen lässt. Ich kenne einen Erben der belgischen Rothschilds, der 80 Jahre sehr gesund ist aber viele alltägliche Dinge nicht mehr selbst tun bzw. arrangieren könnte. Er fände sich in der modernen Konsumwelt nicht zu Recht, gleichwohl körperlich und geistig fit, fliegt demnächst zur Überwinterung nach Hawaii.

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