Spekulationen nach Mord an einer Nonne
Islamisten verbrennen Papst-Puppe

Papst Benedikt XVI. hat seine umstrittenen Islam-Äußerungen bedauert. Doch das reicht der islamischen Aktionsfront Jordaniens nicht - immerhin die stärkste Partei des Landes auf der arabischen Halbinsel. Die Islamisten sehen in der jüngsten Rede sogar eine neue „Beleidigung“ der islamischen Religion. In Pakistan verbrannten Demonstranten unterdessen eine Papst-Puppe.

HB ROM. Die Islamische Aktionsfront (IAF) liest aus den jüngsten Äußerungen von Papst Benedikt XVI. kein Bedauern heraus, sondern eine neue „Beleidigung“ der islamischen Religion. Der Generalsekretär der Partei, Saki Bani Erschaid, sagte am Montag in Amman, die beschwichtigende Erklärung des Papstes reiche als Wiedergutmachung für die Beleidigung des Propheten Mohammed nicht aus. Die Partei fordere eine „unmissverständliche Entschuldigung“.

Mitglieder der Partei erklärten, der Papst habe die Gefühle der gesamten jordanischen Bevölkerung verletzt. Die Islamische Aktionsfront ist der jordanische Zweig der Muslimbruderschaft. Die ägyptische Muslimbruderschaft hatte die Stellungnahme des Papstes vom Sonntag akzeptiert, obwohl auch sie ursprünglich eine „Entschuldigung“ gefordert hatten. Das Oberhaupt der römisch- katholischen Kirche hatte am Sonntag beim Angelusgebet in Castel Gandolfo bedauert, dass seine Islam-Äußerungen missverstanden worden seien. Er nahm aber keine Aussage zurück und entschuldigte sich auch nicht.

Der Vorsitzende des türkischen Direktorats für Religiöse Angelegenheiten, Ali Bardakoglu, bezeichnete am Montag die päpstliche Entschuldigung als indirekt und unzureichend. Einen Tag nach der Ermordung einer Nonne in Somalia gab es Spekulationen, die Kontroverse um ein von Muslimen als beleidigend aufgefasstes 600 Jahre altes Zitat in der Papstrede könnte der Funke gewesen sein, der die Tat ausgelöst habe.

Die 65-jährige Nonne Leonella war am Sonntag in Mogadischu zusammen mit ihrem Leibwächter auf einer Straße erschossen worden. Sie befand sich auf einem zehn Meter langen Weg von einem Krankenhaus des SOS-Kinderdorfes zu ihrem Kloster, als sie von bewaffneten Männern mit Pistolen angegriffen wurde. „Sie hatte keine Chance“, sagte der Regionaldirektor der SOS-Kinderdörfer, Willy Huber. „Es war wie eine Hinrichtung.“ Huber, der den Leichnam der Nonne am Montag nach Nairobi übergeführt hatte, sagte, über das Motiv könne er nichts sagen. „Ein Ort wie Mogadischu ist unberechenbar und es ist schwer zu sagen, was das Motiv ist. Die Äußerungen des Papstes könnten aber der Funke dafür gewesen sein, weil es nur einer einzigen Person bedarf, darauf auf diese Weise zu reagieren.“ Ein Augenzeuge des Mordes, Asche Ahmed Ali, sagte: „Ich bin sicher, dass die Mörder über die Papstrede wütend waren, die unseren Propheten angriff.“

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