Spionage-Affäre
Wiens Bürgermeister in Diensten der CIA?

Der vor wenigen Monaten gestorbene ehemalige Wiener Bürgermeister und Ehemann der Sängerin Dagmar Koller, Helmut Zilk, soll in den späten 1960er Jahren als bezahlter Spitzel gearbeitet haben - für den tschechischen Geheimdienst und die CIA.

HB WIEN. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Profil“ erhielt Zilk, der unter dem Decknamen „Holec“ vom tschechoslowakischen Geheimdienst geführt wurde, für seine Dienste umgerechnet rund 30 000 Euro. Dem Blatt liegen nach eigenen Angaben Quittungen vor, die die Vorwürfe belegen. Zilk war im Oktober 2008 im Alter von 81 Jahren gestorben.

Spionage-Vorwürfe gegen den populären Alt-Bürgermeister waren in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder erhoben worden, doch konnten nie Beweise vorgelegt werden. Nach Angaben von „Profil“ erhielt Zilk auch Geschenke vom Geheimdienst, darunter einen Lüster aus böhmischen Kristall. Dem CSSR-Geheimdienst lieferte Zilk nach dem Report Informationen aus dem inneren Kreis der Sozialdemokraten (SPÖ), zur Außenpolitik der damaligen ÖVP-Alleinregierung und zur Haltung Wiens in der Frage der Restitution der Altösterreicher - im Großen und Ganzen allerdings keine spektakulären Informationen, so „Profil“.

In der tschechischen Tageszeitung „Mlada fronta Dnes“ hatte es dazu geheißen, Zilk habe für seine Kontakte mit dem früheren tschechoslowakischen Geheimdienst (StB) in dem genannten Zeitraum 55 000 österreichische Schilling sowie 13 000 tschechoslowakische Kronen erhalten. Die Zeitung berief sich auf Geheimdienstakten. Laut „Mlada fronta Dnes“ soll Zilk „nicht Zuträger im wahrsten Sinne des Wortes“ gewesen sein. Er habe als damaliger Mitarbeiter und späterer Programmdirektor des ORF der kommunistischen Spionage auch keine Informationen gegeben, aufgrund derer jemand ins Gefängnis hätte gehen müssen. Zilk habe aber dennoch den Geheimdienst mit Informationen aus der österreichischen Politszene und dem öffentlichen Leben versorgt.

Schon vor einigen Tagen hatte die Prager Tageszeitung „Mlada fronta Dnes“ von Zilks Arbeit für die CIA berichtet. Nach dem Ende des Prager Frühlings seien drei von Zilks "Agentenführern" in den Westen geflüchtet und hätten den Amerikanern Auskunft gegeben. Die hätten damals die österreichische Staatspolizei informiert, die daraufhin Zilk und einige andere Personen seines Umkreises vernommen hätten, ohne dass man ihnen etwas hätte nachweisen können. Heute sind diese Akten angeblich verschwunden.

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