Spitzenkoch Harald Wohlfahrt
Im Tal der Sterne

Harald Wohlfahrt gilt als bester Koch Deutschlands. Nächste Woche bekommt der 50-Jährige wohl erneut drei Michelin-Sterne, die höchste Auszeichnung in seiner Zunft. Zu verdanken hat er dies auch seinem Förderer Heiner Finkbeiner.

TONBACH. Er taucht lautlos aus dem Halbdunkel des Gastraums auf. Mit hochgezogen Augenbrauen, die Hände vor dem Bauch verschränkt, steht er neben dem Tisch. „Hat es gefallen“, fragt er seine Gäste leise und bescheiden, als kenne er die Antwort nicht.

Dabei ist sie so eindeutig: Harald Wohlfahrt gilt als bester Koch Deutschlands. Kein zweiter hat 14 Mal in Folge drei Michelin-Sterne erhalten, die höchste Auszeichnung in seiner Zunft. Doch die Anstrengung der vergangenen Jahre könnte dahin sein, wenn in einer Woche der neue Guide Michelin herauskommt und die Juroren nicht zum 15. Mal in Folge die höchste Auszeichnung für die „Schwarzwaldstube“ in Tonbach vergeben.

„Ich könnte das nicht nachempfinden“, sagt Wohlfahrt selbstbewusst, aber ohne jede Arroganz. Der in der Nähe von Baden-Baden geborene Meisterkoch spricht wie ein Hochleistungssportler über seine Arbeit. „Soweit ich sehe, ist das Jahr stabil gelaufen. Wir hatten keinen Leistungsabfall. Das Team funktioniert.“

Der 50-Jährige gilt selbst unter den Spitzenköchen als Perfektionist. Er inszeniert sich nicht als Star. Große Auftritte wie am vergangenen Wochenende bei der Premiere der Dinner-Show Palazzo – einer Kombination aus Spitzenküche und Varieté – in Stuttgart, sind selten.

Über die plappernden Kollegen in TV-Kochshows verliert der Schwarzwälder kein böses Wort. Er ist kein Mann für die große Bühne, schreibt kaum Kochbücher und hält es lieber mit seinem Ski springenden Wahl-Landsmann Sven Hannawald und „macht sein Zeug“. Das ist seit 1976 die „Schwarzwaldstube“ im Hotel Traube in Tonbach. Dort fing Wohlfahrt als Saucier an, seit 1980 ist er Küchenchef.

Heute müssen selbst Vorstandsvorsitzende mitunter mehrere Monate warten, um an einen der zehn Tische in Deutschlands bestem Restaurant essen zu können. Ohne Reservierung geht sowieso nichts.

„Das Warten ist schon lästig“, sagt der Vorstand eines schwäbischen Mittelständlers, „aber es lohnt sich“. Vielleicht hat er ja als kalte Vorspeise ein Mosaik von Langustine und poschierten Felsenaustern umrandet von Imperialkaviar genossen – eine frische Atlantikprise mitten im Schwarzwald.

Seite 1:

Im Tal der Sterne

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%