Sprengsatz per Fernbedienung ausgelöst
Kölner Polizei: Gasflasche war mit Schwarzpulver gefüllt

In der vergangenen Woche hatte eine Bombe im Kölner Stadtteil Mülheim 22 Personen verletzt. Nun ist die Polizei bei ihren Ermittlungen etwas vorangekommen. Nach dem Mann, der die Nagelbombe abgestellt hatte, wird aber nach wie vor gefahndet.

HB DÜSSELDORF. Bei der Kölner Nagelbombe handelt es sich nach Angaben der Polizei um eine mit Schwarzpulver gefüllte Gasflasche. Der Sprengsatz sei offensichtlich per Fernzündung zur Explosion gebracht worden, teilte die Polizei am Montag weiter mit. Die Bombe sei höchstwahrscheinlich auf dem Gepäckträger eines Fahrrades deponiert worden. Die Polizei sucht seit Freitag nach einem blonden Mann, der das Fahrrad am Tatort abgestellt haben soll, das bei der Detonation völlig zerstört wurde.

Fünf Tage nach dem Anschlag im Stadtteil Mülheim mit 22 Verletzten präsentierten Ermittler am Montag erste Ergebnisse. Das Motiv lag dagegen weiter im Dunkeln. „Weder haben die Ermittlungen einen politischen oder ausländerfeindlichen Hintergrund ergeben, noch können wir es ausschließen“, sagte der Leiter der politischen Abteilung der Staatsanwaltschaft Köln, Rainer Wolf.

Höchstwahrscheinlich sei die Bombe auf einem silbergrauen Fahrrad deponiert worden, das frühestens im April vom Discounter Aldi verkauft worden war. Die Fahnder suchen einen 25 bis 30 Jahre alten Mann mit blondem, kurzem Haar, der das Fahrrad am Tatort vor einem Friseurladen im türkisch geprägten Stadtteil abgestellt haben soll.

Ob außer diesem Mann auch andere Personen gesucht würden, sagte die Staatsanwaltschaft nicht. Der Mann habe sich bislang nicht gemeldet. „Man kann natürlich spekulieren, dass er einen Tatbezug hat und sich daher nicht meldet, das wäre nahe liegend“, sagte Wolf. Allerdings sei auch denkbar, dass der Gesuchte sich derzeit Rat von einem Anwalt hole. Der Mann gelte nicht unbedingt als Verdächtiger sondern als möglicher Zeuge. Für ein Phantombild gebe es nicht genügend Detailangaben.

Unklar sei auch, ob eine bestimmte Person in dem Friseurladen oder in dessen Umgebung Ziel des Anschlags war. Ein gezielter Mordanschlag auf einen Einzelnen sei aber eher unwahrscheinlich, sagte Wolf. „Wenn man einen solchen Menschen, aus welchen Gründen auch immer, treffen will - da gibt es Mittel und Wege, das unkomplizierter zu tun, ohne möglichst viele andere Menschen mit dieser verheerenden Wirkung zu treffen“, sagte Wolf. Es werde zwar auch über einen möglichen kurdisch-türkischen Konflikt als Hintergrund des Anschlags nachgedacht. Darauf gebe es aber bisher keine Hinweise. Vermutungen, es handele sich um ein Verbrechen im kriminellen Milieu, ließen sich bislang ebenfalls nicht bestätigen.

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