Spur der Steine half
Polizei sucht Bombenleger-Komplizen

Der Bombenleger vom Dresdner Hauptbahnhof war womöglich nicht allein. Die Polizei sucht nun nach möglichen Komplizen. „Es deute einiges darauf hin, dass er nicht allein der Täter war“, sagte der Chef des Landeskriminalamtes Sachsen (LKA), Peter Raisch, am Dienstag in Dresden.

HB DRESDEN. Aus Ermittlerkreisen war zu erfahren, dass an der Kofferbombe eine zweite DNA-Spur gefunden wurde. Mit einem genetischen Fingerabdruck war bereits ein 62-jähriger Mann aus dem Vogtland überführt und am Sonntag gefasst worden. Er hat die Tat inzwischen gestanden und sitzt in Untersuchungshaft.

Nach Angaben von LKA-Sprecher Lothar Hofner wollen die Ermittler nun auch herausbekommen, woher das bei dem Mann gefundene Waffenarsenal stammt. Die Ermittler hatten in seiner Wohnung unter anderem 500 Gramm Sprengstoff, vier Maschinenpistolen, fünf Pistolen, reichlich Munition und neun selbst gefertigte Handgranaten gefunden. Ein Teil der Waffen komme aus dem Ausland.

Bei der Ergreifung des Bombenlegers half das Fachwissen von Geologen. Die Experten kreisten den geständigen Täter auf einer „Spur der Steine“ ein: Per Analyse konnten die in der Kofferbombe enthaltenen Schottersteine auf ein Herkunftsgebiet mit einem Durchmesser von 30 Kilometer eingeschränkt werden. Das äußerst harte Gestein aus Serpentinit und Quarzit stammte aus einem Steinbruch in Wurlitz bei Hof (Vogtland). Im vogtländischen Ellefeld wohnte der 62- jährige Tatverdächtige.

Der 62-Jährige Hauptbeschuldigte hatte am 6. Juni auf dem Dresdner Hauptbahnhof einen Sprengsatz deponiert. Dieser konnte noch rechtzeitig entschärft werden. Ein Test ergab, dass die mit Steinen gefüllte Kofferbombe im Fall einer Zündung verheerende Wirkung hervorgerufen hätte. Am Dienstag zeigte das LKA Fotos von einem Sprengversuch, auf denen Bleche mit Durchschlägen zu sehen waren.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wollte der tatverdächtige Finanzmakler aus Geldnot die Deutsche Bank in Frankfurt/Main erpressen. In der Vernehmung gab der mehrfach vorbestrafte Geschäftsmann zu, die Bombe gebaut und auf dem Bahnhof abgestellt zu haben. Der Mann ist der Polizei seit langem bekannt. Seit 1971 war er wiederholt straffällig geworden, unter anderem wegen Diebstählen, Raubdelikten und Rauschgiftkriminalität. Dafür wurde er mehrmals inhaftiert, zuletzt 1995 in der Frankfurter Justizvollzugsanstalt.

In der Vernehmung bestritt der Mann , dass die Bombe scharf war und er sie zünden wollte. Die Spezialisten des LKA sind sich jedoch sicher, dass der Sprengsatz funktionstüchtig war. „Es war eine scharfe Bombe, mit allen wesentlichen Aufbauteilen, die zündfähig verbunden waren“, sagte Raisch. Nach Aussagen von Andreas Feron, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, spielt es bei dem Tatvorwurf „Vorbereitung eines Explosionsverbrechens“ keine Rolle, ob die Bombe „scharf“ war oder nicht. Die Staatsanwaltschaft wies darauf hin, dass Komplizen sich bei den Ermittlungsbehörden melden und so mit Strafminderung rechnen könnten.

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