Staatsanwälte verzichten auf Revision
Hoeneß geht definitiv ins Gefängnis

Die Staatsanwaltschaft in München wird keine Revision gegen das Urteil gegen Ex-FC-Bayern-Boss Uli Hoeneß einlegen. Damit sind die dreieinhalb Jahre Haft für Hoeneß rechtskräftig. Er könnte sie bald antreten.
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MünchenDie Münchner Staatsanwaltschaft legt keine Rechtsmittel gegen das Urteil gegen Uli Hoeneß ein. Damit wird die Entscheidung des Landgerichts München demnächst rechtskräftig und es steht endgültig fest, dass der langjährige Präsident des FC Bayern München ins Gefängnis muss.

„Die Staatsanwaltschaft München II wird im Strafverfahren gegen Ulrich Hoeneß wegen Steuerhinterziehung keine Revision gegen das Urteil des Landgerichts München II vom 13.03.2014 einlegen“, hieß es in einer Mitteilung vom Montag.

„Das Gericht ist zwar hinter unserem Antrag zurückgeblieben, hat aber vertretbare Erwägungen angestellt. Die Rechtslage ist so, dass eine Revision nur dann vorgesehen ist, wenn das Urteil in einem offensichtlichen Missverhältnis zur Schuld steht. Das ist aber nicht der Fall. Die Begründung des Urteils ist in sich plausibel", sagte Florian Gliwitzky, stellvertretender Pressesprecher der Staatsanwaltschaft München II, auf Anfrage des Sportinformationsdienstes zu den Beweggründen der Behörde, auf eine Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH) zu verzichten.

Das Gericht hatte den inzwischen zurückgetretenen Bayern-Boss am vergangenen Donnerstag wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre Haft für den 62-Jährigen gefordert.

„Das riecht alles nach Deal“

Linkspartei-Chef Bernd Riexinger hält den Fall aber für noch nicht abgeschlossen. „Vor allem die Mitglieder des FC Bayern wären gut beraten, Transparenz einzufordern“, sagte Riexinger Handelsblatt Online. „Ich würde es begrüßen, wenn der FC Bayern eine unabhängige Kommission von Wirtschaftsprüfern einsetzt, die offenlegt, ob und welche Verquickungen es zwischen dem Fall Hoeneß und dem FC Bayern gibt.“

Scharfe Kritik äußerte Riexinger an der Entscheidung der Staatsanwaltschaft, keine Revision einzulegen. „Das riecht alles nach Deal“, sagte er. Es gehe ihm nicht um eine höhere Haftstrafe, sondern um mehr Transparenz, betonte Riexinger und fügte hinzu: „Aber jetzt bleiben viele Fragen womöglich für immer ungeklärt.“

Hoeneß hatte bereits am vergangenen Freitag erklärt, dass er die Haftstrafe akzeptiere, gegen das Urteil keine Revision einlegen werde und gleichzeitig seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratschef der Münchner niederlege. Auf einen Besuch in der Arena am Samstagabend beim Spiel der Bayern gegen Leverkusen (2:1) hatte der 62-Jährige verzichtet.

Da nun auch die Staatsanwaltschaft auf eine Revision verzichtet, wird Hoeneß in ein paar Wochen zum Haftantritt geladen. Zuvor muss aber noch die schriftliche Urteilsbegründung des Gerichts vorliegen.

Im anderen Fall hätte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe den Fall unter die Lupe nehmen und eine Entscheidung über die Revision treffen müssen. Unter Umständen wäre das Verfahren dann vor einer anderen Kammer des Landgerichts wieder aufgerollt worden. Das Verfahren hätte sich dann noch lange hinziehen können.

Hoeneß wird nun demnächst eine Ladung der Staatsanwaltschaft mit dem genauen Datum seines Strafantritts in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech zugehen. Dies kann noch etwa vier bis sechs Wochen dauern. Dies hinge davon ab, so Gliwitzky, „wann uns das Gericht das Urteil mit dem Rechtskraftsvermerk zustellt". Die Staatsanwaltschaft würde anschließend die Ladung an Hoeneß innerhalb von zwei Wochen erstellen.

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  • Zur „Steuer-Causa“- Hoeneß: Als Bayern-Fan empfinde ich Mitleid mit Hoeneß. Was er im vergangenen Jahr durchgemacht hat, wünscht man nicht einmal seinen Todfeinden. Das LG-Urteil zeigt aber, dass er ein Liebling der Götter ist. Gleichwohl sind an dem rechtstaatlichen Zustandekommen des Hoeneß-Urteils Zweifel angebracht. Das Verfahren erscheint insgesamt als Farce, da das Ergebnis wie ein im vor hinein abgekartetes Theater aus dem bayrischen "Komödienstadel" erscheint. Man vermutet dahinter eher „großes Kino“ des „FC-Hollywood“, inszeniert von seinem Star-Regisseur. Jeder Strafrechtsfachmann wundert sich, weil das LG-Urteil jeder Lebenserfahrung widerspricht: ein LG-Verfahren, in dem es um 28,5 Mio. Euro(oder noch viel mehr) hinterzogene Steuern geht, kann niemals in 4 Tagen mit einem Urteil abgeschlossen werden, wenn das Ergebnis nicht schon vorher feststeht. Weder die StA noch das Gericht schien an der exakten Ermittlung der tatsächlich hinterzogenen Steuern ernsthaft interessiert zu sein. Wo das viele Geld für die gewaltigen Börsengeschäfte hergekommen ist, war offenbar ohne jeden Belang: war es versteuertes Geld, war es unversteuertes Geld oder war nicht nur Steuerhinterziehung sondern auch noch strafbare Untreue o. ä. im Spiel? Alle Beteiligten waren nach der medialen Wahrnehmung nur daran interessiert, die „Steuer-Causa“-Hoeneß so schnell wie möglich und für immer unter den Teppich zu kehren. Man muss sich fragen, warum die Medien sich so augenfällig an der Nase herumführen lassen. Dieser Bonus ist wohl seiner Lebensleistung für den FC Bayern geschuldet. Völlig pervers erscheint das Ergebnis, wenn man es mit dem "Wulff-Fall" vergleicht. Bei Hoeneß hat die Münchner StA sich die Revision nicht getraut! Dies wäre wohl gegen die politischen Absprachen gewesen. Schließlich will auch der StA und der Richter irgend wann wieder befördert werden. Uli Hoeneß sollte jeden Tag seinem Herrgott danken für das milde Urteil. Es lebe der Freistaat Bayern!

  • Natürlich Schäuble. Aber wer hat es zu verantworten, daß so ein Politiker noch etwas zu sagen hat? Zur Auswahl stehen:

    Alle CDU-Mitglieder, angefangen von den Delegierten seines Ortsverbandes über den Kreisvorstand bis hin zur Parteispitze. Keiner von den CDU-Mitgliedern kommt auf die Idee nur einwandfreie Charaktäre zur Wahl zu stellen.

    Und letztlich die Wähler bei der Bundestagswahl, welche ihn bzw. seine Partei wählen.

    Am schlimmsten ist aber wohl, daß es sich dabei um keinen Einzelfall handelt. Verkommeme Charaktäre gibt es in der Legislative, in der Executive und in der Judukative genauso. In letzterer leider am am schwierigsten zur Rechenschaft zu ziehen. Beispielhaft der "Sachsensumpf". Da nützt dann auch nicht die Phrase "Deutschland ist ein Rechtsstaat".

  • Na und? Je eher er ins Gefängnis geht, desto eher kommt er wieder raus.

    Mal ganz abgesehen von offenen Vollzug und vorzeitiger Entlassung wegen guter Führung. Viel Zeit zum Lesen. Und wenn er will, kann er sicher auch eine Tischlerlehre machen. Damit hat er bei der Entlassung was gelernt, vielleicht auch von Zellengenossen.

    Auf jeden Fall wird er in dieser Zeit gesund leben.
    Wo ist das Problem?

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