Staatsanwalt fordert Haftstrafe
Verteidiger fordert Freispruch für "Turbo-Rolf"

Der Verteidiger eines als Raser und Drängler angeklagten Mercedes-Versuchsingenieurs hat im Berufungsverfahren Freispruch aus Mangel an Beweisen gefordert. Der Staatsanwalt hält den Angeklagten hingegen für schuldig.

HB KARLSRUHE. Die Indizien, die auf den 35-jährigen Rolf F. hindeuteten, seien nicht gesichert, sagte der Stuttgarter Rechtsanwalt Georg Prasser in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Karlsruhe am Montag. Die Anklage habe sich zu früh auf den Testfahrer als Unfallverursacher festgelegt. „Man glaubte, Rolf F. als Täter zu haben, und hat ein Indiziengebäude gebastelt, das dazu gepasst hat“, sagte er. F. könne nach neuen Weg-Zeit-Berechnungen aber zur Unfallzeit gar nicht am Unfallort gewesen sein.

Staatsanwalt Matthias Marx hielt dagegen die Schuld des angeklagten 35-jährigen DaimlerChrysler-Ingenieurs für erwiesen. Er sprach sich für eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren ohne Bewährung aus. In der Vorinstanz hatte das Amtsgericht Karlsruhe eine solche 18-monatige Freiheitsstrafe gegen den Angeklagten verhängt.„Nach meiner Überzeugung war es der Angeklagte, der den Tod von Jasmin A. und ihrer Tochter verursacht hat.“ Marx stützt sich auf die Aussage eines Zeugen, der am fraglichen Tag die Doppelscheinwerfer eindeutig erkannt haben will, die für das vom Angeklagten benutzte Mercedes- 600-Coupé typisch sind. Bei der Fahrzeitdiskussion berief sich Marx auf andere Experten-Berechnungen, wonach der Angeklagte sehr wohl zur Unfallzeit am Tatort gewesen sein könnte.

Bei dem Unfall auf der Autobahn A5 bei Karlsruhe vor gut einem Jahr waren eine 21-jährige Frau und ihre zwei Jahre alte Tochter ums Leben gekommen. Als ein schwarzer Mercedes-Benz sich mit mehr als 200 Kilometern pro Stunde von hinten näherte, verlor sie die Kontrolle über ihr Auto, kam von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum. F. war vom Amtsgericht Karlsruhe zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hat aber eine Beteiligung an dem Unfall abgestritten. „Ich habe mich hier fair behandelt gefühlt, wofür ich mich bedanken will“, sagte er in seinem Schlusswort. Das Urteil wird am Donnerstag gesprochen.

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