Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Haft
Flughafen-Bombendrohung: Überraschend neues Geständnis

Im Prozess um die Bombendrohungen gegen den Düsseldorfer Flughafen hat die Angeklagte kurz vor der geplanten Urteilsverkündung überraschend ein neues Geständnis abgegeben. Der Urteilsspruch wurde daraufhin verschoben.

HB DÜSSELDORF. Die Angeklagte sagte am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Landgericht entgegen früherer Angaben unter Tränen, die Drohanrufe Mitte September vergangenen Jahres vollkommen aus eigenen Antrieb heraus getätigt zu haben. Sie habe verhindern wollen, mit ihrem Freund in Urlaub zu fliegen, da ihre Eltern den Partner nicht akzeptiert hätten. „Ich wusste nicht, wie ich das meinen Eltern erklären sollte, diese Sache mit dem Urlaub, und meinem Freund konnt' ich nicht sagen, „Hör' mal, meine Eltern, die verstehen das nicht.“, sagte die Angeklagte. „Und dann dachte ich einfach, ja, wenn die Reise irgendwie verhindert werden könnte durch irgend jemand anders, zum Beispiel wenn man jetzt ne' Bombendrohung macht, dann wär' das doch was.“ Zuvor hatte die Studentin ausgesagt, sie sei von einem abgewiesenen Verehrer zu den Anrufen gezwungen worden.

Angesichts des neuen, umfassenden Geständnisses gebe es erhöhten Beratungsbedarf, begründete der Vorsitzende Richter die Verschiebung des Urteilsspruchs auf Donnerstag.

Die Staatsanwaltschaft forderte angesichts des neuen Geständnisses drei Jahre Haft nachdem sie zuvor ein Strafmaß von dreieinhalb Jahren für angemessen gehalten hatte. Das Geständnis wirke sich zwar mildernd aus, sei aber nur „in letzter Sekunde“ abgegeben worden. Die Verteidigung forderte hingegen eine zur Bewährung ausgesetzte Strafe. Die Angeklagte sei unter anderem schon deshalb hart bestraft, weil sie mit Schadenersatzforderungen in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro rechnen müsse.

Deutschlands drittgrößter Flughafen war wegen der Drohanrufe am 14. September 2003, dem letzten Tag der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen, vorsorglich für mehrere Stunden gesperrt worden. Rund 15 000 Menschen mussten das Gelände verlassen. Mehr als 100 Flüge wurden gestrichen oder umgeleitet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%