Staatstrauer in Iran
Von Bam stehen fast nur noch Ruinen

Von der fast 2000 Jahre alten Stadt Bam im Südosten Irans stehen fast nur noch Ruinen. In den Straßen liegen Leichen. Bürgermeister Ali Schafiei erklärt: "Man findet kaum Worte, um die Dimension dieser Tragödie zu beschreiben."

HB BAM. Dort, wo sonst Touristen auf den Spuren des alten Persiens wandeln, ist jetzt ein Krisengebiet. Nach ersten amtlichen Angaben sind am Freitag mindestens 4000 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 30 000 wurden verletzt, die meisten schweben in Lebensgefahr.

„Es war Freitag (Wochenende in Iran) und alle schliefen noch im Haus, außer mir, als ich im Hof das Morgengebet halten wollte“, erzählt Ruhollah Ahmadi. Plötzlich zittert der Boden unter seinen Füßen - und in wenigen Sekunden ist sein Haus verschwunden. Durch einen Holzbalken am Kopf getroffen verliert Ahmadi das Bewusstsein.

Er kommt zwei Stunden später in einer mobilen Krankenstation wieder zu sich und eilt zu seinem Haus zurück. Da sieht der 32- jährige Bauer, dass auch die anderen Bewohner das gleiche Schicksal getroffen hat wie seine Familie. Alles liegt in Schutt und Asche. Mit bloßen Händen versucht er zu graben. Dann kommen die Retter vom Roten Halbmond, aber Ahmadi kann bis in die Abendstunden seine Frau, vier Kinder und Eltern nicht finden.

Andere trauernde Familien versammeln sich weinend um ihre toten Angehörigen, die am Straßenrand liegen. „Wir haben alles verloren, unser Lebenswerk liegt nun in Trümmern, und unsere Haupteinkommensquelle (Tourismus) ist fort“, sagt ein Bewohner. Die Häuser der Altstadt von Bam sind aus traditionellen Lehmziegeln gebaut, damit die Stadt ihr historisches Image beibehalten konnte und für Touristen attraktiv blieb. „Doch das führte auch zu den vielen Toten“, kritisiert ein Sprecher des Innenministeriums.

Nach Schätzungen des Roten Halbmonds müssen mehr als die Hälfte der fast 100 000 Einwohner die Nacht im Freien verbringen. Bei eisiger Kälte und ohne Strom versuchen die Betroffenen verzweifelt, Zelte für ihre Familien zu bekommen - aber es gibt nicht genug. Auch Wasser und Telefonleitungen funktionieren bis in die Abendstunden nicht.

Staatspräsident Mohammed Chatami forderte das Innenministerium auf, alle Möglichkeiten des Landes auszuschöpfen. Auch Militär und Luftwaffe sollen bei den Bergungsarbeiten helfen. Die Provinz Kerman sei kaum in der Lage, die Krise zu meistern, so Bürgermeister Schafiei. Chatami ordnete drei Tage Staatstrauer an.

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