Stadtarchiv
Feuerwehr birgt Leiche aus Kölner Trümmern

Fünf Tage nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist der erste von zwei Vermissten tot aus den Trümmern geborgen worden. Die Suchmannschaften fanden die Leiche in der Nacht zum Sonntag gegen 01.50 Uhr auf dem Grundstück und konnten sie schließlich um kurz nach 04.00 Uhr morgens bergen.

HB KÖLN. Nach fünf Tagen bangen Wartens gab es am Sonntag traurige Gewissheit: Rettungskräfte bargen am frühen Morgen aus den Trümmern des eingestürzten Kölner Stadtarchivs und benachbarter Wohnhäuser die Leiche eines 17 Jahre alten Hausbewohners. Der Bäckerlehrling Kevin K. sei anhand seiner Fingerabdrücke zweifelsfrei identifiziert worden, sagte Kriminaldirektor Tobias Clauer am Sonntag. Nach dem zweiten Vermissten, dem 24 Jahre alten Design- Studenten Khalil G., wird weiterhin fieberhaft gesucht. Es besteht kaum Hoffnung, ihn lebend zu finden. Das Archiv und zwei Nachbarhäuser waren am Dienstag eingestürzt, vermutlich infolge des U-Bahn-Baus.

„Es wird ohne Pause Schutt abgetragen, teils mit Baggern, teils mit den Händen“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Spürhunde schlugen zwar zwischendurch an, aber die Ortung der Vermissten in dem Krater sei schwierig, sagte Feuerwehrchef Stephan Neuhoff. Die Gerüche zögen durch schmale Lücken im Trümmerfeld. Die Ermittler gehen nicht davon aus, dass noch mehr Menschen verschüttet wurden. Es lägen keine weiteren Vermisstenmeldungen vor, sagte Clauer.

Kevins Leiche hatte in dichtem Schutt unterhalb des Kellers des eingestürzten Gebäudes gelegen. „Zunächst ragte eine Hand aus den Trümmern, dann legten die Einsatzkräfte den Kopf, die Arme und den ganzen Leichnam frei“, sagte ein Polizeisprecher. Dem vorläufigen Obduktionsergebnis zufolge sei der Jugendliche durch die herabfallenden Trümmer sofort getötet worden, sagte Clauer. Kevin habe wahrscheinlich geschlafen, als das Haus einstürzte. Er hatte zuvor die ganze Nacht in der Bäckerei gearbeitet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach Angaben von Sprecher Günther Feld nun auch wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt.

Die Feuerwehr hatte erst am Freitag intensiv mit der Suche nach den beiden Vermissten beginnen können. Zuvor wäre das Betreten der Unglücksstelle für die Helfer zu gefährlich gewesen. Übrig gebliebene Gebäudeteile drohten einzustürzen und der Boden sackte immer wieder weg. Deshalb mussten zunächst Hausruinen abgerissen werden. In das Erdreich wurde massenhaft Beton gefüllt, um es zu stabilisieren.

Es wird angenommen, dass das Unglück im Zusammenhang mit dem umstrittenen Bau der U-Bahn steht. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) stehen deshalb in der Kritik. Das Magazin „Der Spiegel“ berichtete am Samstag, Experten hätten bereits vor fünf Jahren die Bauarbeiten bemängelt.

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