Stagnierender Umsatz
China dominiert das Geschäft mit den Böllern

Nur an drei Tagen im Jahr dürfen die Feuerwerkshändler ihre großen Knallkörper verkaufen. Trotzdem machen sie einen Umsatz von 115 Millionen Euro. Nun drängen die chinesischen Hersteller auf den deutschen Markt.
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Düsseldorf/BerlinVon wegen Weltpremiere des „Hobbits“ oder Verkaufsstart des neuen Apple-Flagschiffs: In Deutschland haben in der Nacht zu Freitag hunderte Menschen in Schlangen bis zu sechs Stunden in der Kälte ausgeharrt. Alles, damit es es Silvester richtig kracht: Die Feierfreudigen warteten vor den Verkaufsstellen für Silvesterböller, etwa vor den Türen der Firma Weco bei Bonn, die direkt ab Lager verkauft.

Der Umsatz der Branche werde wohl wie im Vorjahr bei rund 115 Millionen Euro stagnieren, sagt der Geschäftsführer des Verbands der Pyrotechnischen Industrie VPI, Klaus Gotzen. Im Trend liegen demnach wie auch zum Jahreswechsel 2011/2012 die Batterien. Sie machen mittlerweile 25 bis 30 Prozent des Umsatzes aus.

Doch der Ausdruck „China-Kracher“ kommt nicht von ungefähr. Die Branche hat längst massive Konkurrenz aus Fernost. Das Geschäft wird von den Fabriken in der Volksrepublik dominiert. Die Stadt Liuyang in der südchinesischen Provinz Hunan etwa darf sich mit ihren zahlreichen Böller-Betrieben sogar offiziell „Welthauptstadt des Feuerwerks“ nennen.

Feuerwerkskörper produziert kaum noch eine deutsche Firma selbst. Der Großteil der europäischen Unternehmen ist aus dem Markt gedrängt oder beschränkt sich mittlerweile allein auf den Handel, etwa die deutschen Anbieter Comet aus Bremerhaven und Keller aus Wattenscheid. Allein der Nordrhein-Westfale Weco ist übrig geblieben - als nach eigenen Angaben weltweit einziger Massenhersteller von Knallern und Böllern außerhalb von China.

Und auch Weco lässt immerhin 60 Prozent in China produzieren. Laut der „Welt“ soll dieser Anteil aber wieder wachsen.

Außerdem schwierig für die Branche: Der Verkauf von Krachern, Raketen und Böller-Batterien ist hierzulande streng reglementiert. Feuerwerk darf in Deutschland frühestens nach drei Sekunden in die Luft gehen. Rund 36 Prozent aller Feuerwerksartikel sind an dieser und den weiteren Zulassungshürden der BAM gescheitert. Forscher überprüfen zudem die Sicherheit von Verpackung, Anzündmittel und die Eigenschaften der Knallkörper vor, während und nach der Explosion.

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  • Ich bin seit 3 Jahren Beruflich Pyrotechniker und ich kann ihnen versichern das KEIN industrieller Sprengstoff in sogenannten Polenböllern enthalten ist.

    Es ist kein industrieller Sprengstoff sondern Blitzknallsatz
    der in Deutschland unter Klasse 4 fällt.

  • @Willi Kammschott
    Der Vergleich mit Graffiti ist doch wirklich lächerlich.
    Ich bin selber Sprayer, komme aus einem normalen Haushalt der Mittelschicht und habe noch nie eine Graffitistraftat begangen. Ich suche mir bei Bekannten Wände, auf denen ich sprayen kann.
    Also seien Sie doch das nächste mal so nett und differenzieren Sie zwischen Graffiti als Kunst und Teil einer Jugendkultur und reiner Sachbeschädigung.
    Und zu ihrem 3. Punkt.
    Ich bin gerade dabei mein Abitur zu machen und arbeite nebenbei für mein Hobby, das Feuerwerk. Alles in allem halte ich mein Leben auch sonst für alles andere als "das Wenigste".
    Ich möchte nicht sagen, dass es die von Ihnen angesprochen Personengruppen nicht existieren, doch differenzieren sie beim nächsten mal ein bisschen, denn nicht jeder erfüllt das Klischee und möchte wegen seines Hobbys sofort in eine Schublade eingeordnet werden.

    Liebe Grüße und einen guten Rutsch.

  • Wieso wieder der Vergleich was man davon kaufen kann?
    Gerade die Zigaretten und der Alkohol sind da fehl am Platz.

    Außerdem kommt das Feuerwerk schon immer aus China und wird nur von deutschen Firmen importiert. Wo ist also das Problem?

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