Stararchitekt
Die Gestaltung von Veränderung

Der in New York lebende Stararchitekt Daniel Libeskind hat einen übervollen Terminkalender, dennoch hat er für das Wintersemester eine Gastprofessur an der Leuphana-Universität in Lüneburg angenommen, Fachrichtung „Architekturentwicklung“. Dort will er einen Campus der Zukunft entwickeln – inmitten der Nazi-Relikte der Vergangenheit.

LÜNEBURG Bis mindestens 2010 ist Daniel Libeskind eigentlich komplett ausgebucht. Am 25. September wird in Berlin sein neuer Glashof im Altbau des Jüdischen Museums eröffnet. Im Frühjahr wird sein Contemporary Jewish Museum in San Francisco fertig, später im Jahr in Bern das Westside Shopping and Leisure Centre. 2009 dann das Militärhistorische Museum in Dresden und in Las Vegas das neue MGM Mirage City Center, an dem Libeskind beteiligt ist. 2010 wird sein Creative Media Centre in Hongkong eingeweiht.

Trotz der randvollen Agenda hat der in New York lebende Architekt noch ein zeitintensives Engagement angenommen: Zum Wintersemester wird er Gastprofessor an der Leuphana-Universität in Lüneburg, Fachrichtung „Architekturentwicklung“. Im September kommt er zu einer Projektwoche an die öffentliche Campus-Universität in der 70 000 Einwohner-Stadt.

San Francisco, Las Vegas, Lüneburg? Wie kommt Libeskind, weltberühmt für das Jüdische Museum in Berlin und den Masterplan für Ground Zero, in die niedersächsische Provinz? „Weil es wichtig ist, in Deutschland, dem Ur-Land der Forschungsuniversität, zu alter Stärke und Überzeugungskraft zurückzukehren nach dem Exodus von 1933. Und da hat Libeskind gesagt: ,Ich bin bereit, euch zu helfen’“, sagt Sascha Spoun, Präsident der Leuphana.

Seit etwas mehr als einem Jahr ist der 38-jährige Schweizer zusammen mit Holm Keller hauptamtliches Präsidiumsmitglied der Universität. Seitdem ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Ein neuer Name – Ptolemäus soll im zweiten Jahrhundert nach Christus eine Gegend in Norddeutschland „Leuphana“ genannt haben –, eine komplette Reform der Studiengänge und ein neues College, das im Winter startet, sind die ersten Ergebnisse der Vision einer öffentlichen Universität im 21. Jahrhundert. In Lüneburg spricht man von Gestaltung von Veränderung, dort soll eine Werkstatt universitärer Entwicklung geschaffen werden, Studieren soll über die Schranken fachlicher Disziplinen hinausgehen, soll Leidenschaft wecken, denn „Studieren ist mehr als das Abhalten von Lehrveranstaltungen“, sagt Spoun.

Und als Krönung der Reformpläne soll der neue Geist an der Universität auch optisch wahrnehmbar werden. „Eine Universität muss auch ästhetische Voraussetzungen erfüllen, um das akademische Leben und den Austausch von Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern“, wirbt die Leuphana für sich. Der Wirtschaftswissenschaftler Spoun kannte Libeskind von einem gemeinsamen Projekt in St. Gallen und holte den polnischen Architekten nach Lüneburg, das niedersächsische Wissenschaftsministerium stellte Sondermittel bereit.

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