Starke Schäden befürchtet
Taifun Neoguri bedroht Japan

Japan bereitet sich auf einen Super-Taifun vor: Für den Süden des Landes befürchten die Behörden das Schlimmste. Mit Regenfällen und Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h könnte Neoguri ganze Landschaften verwüsten.
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TokioSeit Tagen beherrscht ein Wetterphänomen Japans Nachrichten: Taifun Nummer 8 der diesjährigen Taifun-Saison. Es ist kein gewöhnlicher Taifun. Japans amtlicher Wetterdienst kündigte am Montag an, möglicherweise eine spezielle Unwetterwarnung für die südlichste Inselgruppe Okinawa ausgeben zu wollen. „Diese Warnungen veröffentlichen wir nur, wenn wir extreme Schäden erwarten wie sie nur einmal in mehreren Jahrzehnten auftreten“, erklärte ein Beamter des Wetterdiensts. Nach bisherigen Vorhersagen wird der Wirbelsturm danach über Japans Hauptinseln weitertoben.

Schon am Sonntag verdeutlichten Satellitenbilder den Japanern das nahende Unheil. Im Sturmzentrum lag am Sonntag ein perfektes Auges des Sturms. Der Luftdruck war am Sonntag mit 940 Hektopascal extrem niedrig, die Windgeschwindigkeiten hoch. Die US-Wetterbehörde hat Neoguri, wie der Taifun international genannt wird, daher als Super-Taifun eingeordnet. Das bedeutet, dass die Böen im Sturmwirbel bis zu 250 Kilometer pro Stunde erreichen können.

Doch nicht nur die extremen Windgeschwindigkeiten versetzen die Japaner in Alarmbereitschaft. Es sind vor allem die sintflutartigen Regenfälle, die Wirbelstürme mitbringen. Sie treffen ein riesiges Areal. Sie verwandeln selbst Rinnsale in reißende Flüsse. Überschwemmungen und Erdrutsche sind daher auf dem extrem bergigen Archipel ständige Wegbegleiter der Superstürme.

Bis zu 80 Liter sollen dieses Mal pro Stunde auf den Quadratmeter niedergehen können, warnt der Wetterdienst. Und es regnet nicht nur ein oder zwei Stunden, sondern manchmal über Tage. Während des Taifuns 4 im Jahr 2007, dessen Kurs Neoguri laut Japans Wetterexperten fast deckungsgleich zu folgen scheint, gingen über der Präfektur Miyazaki 1100 Liter auf den Quadratmeter nieder. Zum Vergleich: Beim Jahrhunderthochwasser der Elbe im Jahr 2002 fielen im Erzgebirge mehr als 300 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden.

Dieses Mal kommt erschwerend hinzu, dass sich der Taifun mit der Regenfront von Japans Regenzeit zu verbinden droht. Die Böden der Berghänge sind daher schon gut in einigen Regionen im Westen Japans bereits gut durchnässt. Dies erhöht die Gefahr von Erdrutschen. Gleichzeitig warnen die Auguren davor, dass sich das Sturmzentrum womöglich nur langsam vorwärts bewegen wird, was die Niederschlagsmengen noch erhöhen könnte.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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