Stars im Schnelldurchlauf und zotige Moderationen bei MTV-Awards
Die beste Band gibt es gar nicht

Es ging Schlag auf Schlag bei den MTV Europe Music Awards am Donnerstagabend im Pavilhão Atlântico von Lissabon:

HB LISSABON. Elf Live-Acts und 15 mehr oder minder prominente Trophäenüberreicher, von Brachialkomik geprägte Moderationen sowie zahlreiche Werbeblöcke wollten in der Show untergebracht werden. Das verlieh der Veranstaltung den Anschein einer leicht gehetzten Nummernrevue.

Überraschungen blieben ebenso aus wie Skandale. Was über die Bühne ging, war eine Award-Show, wie es gerade bei MTV schon viele gab.

Eröffnet wurde der Reigen von Madonna, die passend zum Abba-Sample ihrer aktuellen Single „Hung Up“ eine routinierte Disko-Performance inklusive riesiger Spiegelkugel ablieferte. Ein Hingucker war dabei ihr knappes lila Lederoutfit mit dazu passenden Stilettos. Auch der Auftritt von Robbie Williams war ein Highlight. Seinen Preis als bester männlicher Künstler widmete der Frauenschwarm seiner Mutter.

Launig und bisweilen zotig waren die Moderationen von „Borat Sagdiyev“, einer der zahlreichen Figuren aus dem Repertoire des hier zu Lande vor allem als „Ali G.“ bekannten britischen Komikers Sacha Baron Cohen.

Shakira sei in seiner Muttersprache das Wort für Vagina, meinte „Borat“. Nach dem Madonna-Auftritt fragte er das Publikum, wer denn dieser Mann eben gewesen sei. Es sei ja mutig von MTV, die Show durch eine Travestie-Nummer eröffnen zu lassen. Den Auftritt von Coldplay, die für den besten Song und als bester britischer Act ausgezeichnet wurden, kündigte er als Green Day an.

Im Gegensatz zum Vorjahr war die Balance zwischen Preisen für US- Künstler und europäische Acts ausgewogen. Es drängte sich der Eindruck auf, dass es diesmal auch darum ging, Künstler auszuzeichnen, die bis dahin leer ausgegangen waren. Rammstein waren, so vermutete mancher, eben schon oft nominiert gewesen und einfach mal an der Reihe. Sie erhielten den Preis als bester deutscher Act. Spannend und technisch innovativ war der Auftritt der Gorillaz. Die virtuelle Gruppe, hinter der unter anderem der Blur-Sänger Damon Albarn steckt, wurde mit Hologrammen zum Leben erweckt.

Der „Free Your Mind“-Award für soziales Engagement wurde an den „Live Aid“-Initiator Sir Bob Geldof vergeben. Madonna sorgte dabei für einen Moment peinlich berührten Schweigens, als sie sich bei der Laudatio auf Geldof darüber beklagte, dass sich für ihre eigene „Tue Gutes und rede darüber“-Strategie durchaus auch Kritiker fänden.

Die meisten der 10 000 Zuschauer waren ohnehin gekommen, um einfach eine bunte Pop-Party zu feiern. Die dauerte bis weit in den Morgen - entweder bei der After-Show-Party in unmittelbarer Nachbarschaft der Arena am Ufer des Tejo oder in den Clubs der Stadt.

Für Aufruhr in den ersten Reihen des Zuschauerraums sorgte besonders Popstar Robbie Williams, als er während der seiner Mutter gewidmeten Performance seiner aktuellen Single „Tripping“ von der Bühne sprang und einige Sekunden lang ein „Bad“ im Publikum nahm. Williams bekam auch den Preis als bester männlicher Performer, überreicht vom russischen Mädchenduo Tatu.

Der Innenraum des Pavilhão Atlântico veränderte sich während der ganzen Show, was mittels fahrbarer Bühnen erreicht wurde. Um einen reibungslosen und sicheren Ablauf dieses Prozederes zu gewährleisten, waren die Umbauten mit 1 500 speziell gecasteten Zuschauern in den Tagen vor der Veranstaltung trainiert worden.

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