Start der Mipcom
Die Messe trotzt dem Sturm in Cannes

Obwohl das schlimmste Unwetter seit 40 Jahren in der Nacht von Samstag auf Sonntag Cannes heimgesucht hat, soll die TV-Messe Mipcom am Montag beginnen. Der Sturm hat die Stadt denoch schlimm getroffen.

CannesDass der Besuch der Fernsehmesse Mipcom in Cannes dieses Jahr womöglich etwas anders sein könnte als in den Vorjahren, erfährt man bereits am Flughafen Nizza. Unmittelbar vor der Weiterfahrt fragt eine freundliche Dame der Messegesellschaft, ob man sich denn nicht noch etwas Bargeld besorgen wolle. In Cannes würden nämlich die Geldautomaten nicht funktionieren.
Auf der Fahrt wirkt sonst alles normal. Dass an der Cote d‘Azur noch am Vorabend das schlimmste Unwetter der vergangenen 40 Jahre tobte, das mindestens 16 Menschenleben forderte, mag man bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen über 20 Grad kaum glauben. Wäre da nicht dieser für einen Sonntagnachmittag ungewöhnliche Stau auf der Autobahn. Er hat sich gebildet, weil die rechte Fahrbahn gesperrt ist. Er liegt unmittelbar an einem Höhenzug. Und obwohl fleißige Helfer schon sehr viel beiseite geschafft haben, sieht man, dass in der Nacht jede Menge Erdreich und Gestein, mitunter auch der einer oder andere Baum, herunter gekommen sein muss.

Angekommen in Cannes, das besonders stark von dem Unwetter heimgesucht wurde, ist von den Schrecken der Nacht kaum etwas zu erkennen. Auf den Straßen herrscht geschäftiges Treiben. Die meisten Messebesucher reisen traditionell am Sonntag an. So ist es auch dieses Jahr. Man erkennt sie an den Ausweisen, die um ihre Hälse baumeln und ihren Besitzern Zugang zum Palais des Festivals gewähren, wo die Messe stattfindet. Nur wer genau hinschaut, erkennt hier und da ein paar völlig verschlammte Seitenstraßen. Sie lassen erahnen, dass sich noch vor wenigen Stunden ein Sturzbach durch die Stadt ergoss, in dem eine Frau ertrank.
In dem kleinen Hotel, in dem der Handelsblatt-Redakteur ein Zimmer gebucht hat, empfängt ihn der Concierge barfuß. Er hat gerade notdürftig die Lobby aufgewischt. Sie stand also auch unter Wasser. „Unser WLAN funktioniert leider nicht“, sagt er. „Wegen des Sturms.“ Immerhin: Medienberichte, nach denen es immer noch Probleme mit Wasser und elektrischem Strom gebe, treffen zumindest auf das kleine Hotel in der Innenstadt von Cannes nicht zu.

Auf dem Weg zum Weg zum Palais des Festivals schein alles so wie immer zu sein. Auf dem Prachtboulevard La Croisette direkt am Mittelmeer mischen sich Touristen unter die Messebesucher. Einige haben es sich am Strand gemütlich gemacht. Direkt am Yachthafen liegt das Pressezentrum. Schon von weitem ist zu erkennen, dass es komplett verwaist ist. Davor steht ein Mitarbeiter der Messegesellschaft. Er deutet auf einen eilig aufgestellten Pavillon auf einem benachbarten Parkplatz. „Dort können Sie sich registrieren lassen“, sagt er. „Das Presszentrum ist leider komplett zerstört worden. Der Sturm …“
Ob und wann es wiedereröffnet wird, vermag keiner zu sagen. Der kleine Pavillon bietet den vielen angereisten Journalisten jedenfalls keine Arbeitsplätze. Dennoch soll die Mipcom ganz normal stattfinden. Noch am Vormittag hatte die Messeleitung eine Mail verschickt, in der sie schrieb, Gerüchte, die Mipcom würde wegen des Unwetters ausfallen, entbehrten jeder Grundlage. Nur der Handelsblatt-Reporter mach sich ein klein wenig Sorgen. Kein Pressezentrum, kein WLAN im Hotel – das kann ja heiter werden.

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