Station in Frankfurt: „Körperwelten“ bleibt weiter Zankapfel

Station in Frankfurt
„Körperwelten“ bleibt weiter Zankapfel

Wo immer die Ausstellung „Körperwelten“ gezeigt wird, sind heftige Streitereien programmiert. Während die Fans nächtelang für Karten anstehen, prangern die Gegner eine unwürdige Zurschaustellung von Toten an - manchmal kommt es sogar zu Handgreiflichkeiten.

HB FRANKFURT. Dieser Streit begleitet auch den Auftakt der Ausstellung in Frankfurt, wo sie am 16. Januar ihre Pforten öffnet.

In London schlug ein entrüsteter Besucher sogar mit einem Hammer auf ein Präparat ein. In Heidelberg läuft eine Klage, weil die Schau geeignet sei, „die Hemmschwelle gegenüber Perversion herabzusetzen“. Die große Mehrheit der Besucher ist jedoch begeistert: In einer Umfrage bewerteten 95 Prozent die Ausstellung positiv. Als Hauptmotiv nannten sie „ein hohes Informationsbedürfnis über den menschlichen Körper“. Nur ein Prozent äußerte sich ablehnend und warf den anderen Besuchern Sensationsgier vor.

In Frankfurt wollte das Ordnungsamt die Schau zunächst nur mit Auflagen genehmigen. Exponate wie das „Scheuende Pferd mit Reiter“ sollten nicht gezeigt werden dürfen. Dabei berief sich das Ordnungsamt auf ein Urteil des Bayrischen Verwaltungsgerichtshofs, der einige Objekte als „Instrumentalisierung einer Leiche zu kreativer Gestaltung und damit als mit der Menschenwürde nicht vereinbaren Tabubruch“ bewertete. Sie mussten deshalb in München und Stuttgart entfernt werden. Organisator Gunther von Hagens konnte die Frankfurter Beamten jedoch überzeugen, die Einschränkungen aufzuheben.

Die Kirchen bleiben bei ihrer Kritik. „Hier wird die Würde des Menschen mit Füßen getreten“, sagt die Frankfurter Pröpstin Helga Trösken. Von Hagens betreibe keine wissenschaftliche Aufklärung, „sondern ein Wirtschaftsunternehmen mit Toten“. Trösken wiederholte damit Argumente, die bereits in anderen Städten zu hören waren. So hatte die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann den Ausstellungsmachern „Gier nach medialer Aufmerksamkeit“ vorgeworfen. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Berlin, Andreas Nachama, bezeichnete es als „höchst bedenklich, dass Menschen, die gestorben sind, zu einem Objekt der künstlerischen Verfremdung und des Bestaunens gemacht werden“.

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