Steuer-Prozess: Verteidigung fordert Einstellung des Verfahrens gegen Hoeneß

Steuer-Prozess
Verteidigung fordert Einstellung des Verfahrens gegen Hoeneß

Die Staatsanwaltschaft fordert im Steuer-Prozess gegen den FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. Die Verteidigung plädiert auf eine Einstellung des Verfahrens oder Bewährung.
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MünchenIm Steuer-Prozess gegen Uli Hoeneß fordert die Verteidigung die Einstellung des Verfahrens. Sollte seine Selbstanzeige vom Gericht als unwirksam angesehen werden, dann plädiert die Verteidigung für eine Bewährungsstrafe gegen den Präsidenten des FC Bayern München. „Die Tat wird überlagert von einer vollständigen Rückkehr zur Steuerehrlichkeit“, sagte Anwalt Hanns Feigen am Donnerstag vor dem Landgericht München.

„Die Stunde Null dieses Verfahrens ist der 17. Januar 2013. Das war die Rückkehr des Herrn Hoeneß zur Steuerehrlichkeit.“ Es gebe bisher keine Urteile, wie mit einer solchen fehlgeschlagenen Selbstanzeige umzugehen sei. Das Urteil werde nicht vor 14 Uhr fallen, sagte Gerichtssprecherin Andrea Titz.

Zuvor hatte die Anklage für eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten plädiert. Es handele sich um einen besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung, sagte Staatsanwalt Achim von Engel. „Eine wirksame Selbstanzeige, die die Verfolgung verhindern würde, liegt nicht vor.“ An den Staatsanwalt gerichtet sagte Verteidiger Feigen, er halte die beantragte Strafe „in der Oktave für völlig verfehlt“.

Die Staatsanwaltschaft war in ihrer Anklage noch von 3,5 Millionen Euro hinterzogenen Steuern ausgegangen. Im Laufe der ersten drei Prozesstage vervielfachte sich diese Summe auf 27,2 Millionen Euro. Die Verteidigung hat diese Steuerschulden anerkannt.

Die gut 27 Millionen Euro basieren auf Berechnungen der Steuerfahndung Rosenheim. Das Gros davon entfällt auf unversteuerte Devisengeschäfte des Wurstfabrikanten in den Jahren 2003 bis 2009. Die Verteidiger erkannten die Summe vor Gericht an. Das Landgericht München muss entscheiden, ob es die Selbstanzeige des Fußballmanagers als vollständig und damit rechtmäßig wertet.

Folgt das Gericht dem Antrag des Staatsanwaltes, müsste Hoeneß im Falle eines rechtskräftigen Urteils ins Gefängnis. Bei einem Strafmaß von mehr als zwei Jahren ist eine Bewährungsstrafe ausgeschlossen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Steuer-Prozess: Verteidigung fordert Einstellung des Verfahrens gegen Hoeneß"

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  • Ein Kinderschänder geht mit weniger aus dem Gerichtssaal - ein Skandalurteil!

  • Wenn ein Gerichtsurteil als Strafe verstanden werden soll (bei einer STRAF-Tat ja eigentlich logisch), geht kein Weg am Gefängnis vorbei. Bei einem festgestellten Vermögen von über 100 Mio. EUR ist jede noch so große Geldzahlung keine Strafe die eine spürbare Wirkung auf Hr. Hoeneß ausübt. Ob er jetzt 100 Mio EUR hat oder nur noch 30 Mio. Dafür verkauft Uli weder sein Haus noch den Schmuck seiner Gattin. Das Urteil muss eine Wirkung zeigen, da genügt auch nicht die öffentliche Schmach des Verfahrens, denn dann könnte man ja grundsätzlich auf Urteile verzichten und stellt die Straftäter einfach nur noch an den öffentlichen Pranger. Die Strafe selbst muss den Täter bestrafen und nicht die Gesellschaft belohnen, deshalb sind gemeinnützig wirksame Geldstrafen (Spenden usw.) auch keine Alternative.

  • Mir wird schlecht wenn ich diesen Satz von seinem Anwalt lese:

    „Die Tat wird überlagert von einer vollständigen Rückkehr zur Steuerehrlichkeit"

    Ist das nun ein Freibrief für alle gewesenen und noch kommenden Schandtaten ?
    Hoeneß lacht sich ins Verbrecherfäustchen. Er hätte wie die Mafia in Handschellen und hinter Glas vorgeführt werden müssen.

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