Stiftung Warentest
Die dreisten Fitness-Kontrolleure

Sportliche Aktivitäten jeder Art zu messen, das liegt im Trend. Sportfans können zwischen Fitness-Armbändern, Laufuhren und Mini-Computern am Handgelenk wählen. Ein Haken haben fast alle: Der Umgang mit Daten ist lax.
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DüsseldorfWer den inneren Schweinehund beim Sport überwinden möchte, greift immer häufiger zu technisch hochgerüsteten Armbändern, Laufuhren und Smartwatches. Diese kleinen Fitness-Geräte messen nicht nur sportliche Aktivität, sie erinnern den Träger auch daran, mehr zu tun.

Die Geräte wider das „schlechte Gewissen“ sind in manchen Supermärkten bereits ab 30 Euro zu haben. Wer ein wenig mehr Qualität und Komfort wünscht sowie auf Optik Wert legt, kann auch mehrere hundert Euro investieren. Die Stiftung Warentest hat nun 13 Geräte aus diesem boomenden Markt in drei Kategorien getestet.

Die klugen Begleiter für „Armbandsportler“ im Test decken eine große Preisspanne ab, kosten zwischen 130 und 400 Euro. Das Fazit der Tester: „Nur ein Produkt ist gut: Die Laufuhr von TomTom“, heißt es in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift „Test“. „Alle anderen bieten coole Technik, aber Kundenrechte von gestern.“

Der Kunde hat also die Wahl: Will er hochmoderne Sporthelfer und nimmt er dafür extreme Datengier in Kauf? Schließlich ermitteln die Geräte zum Beispiel genaue Daten über Aufenthaltsorte, Puls oder gelaufene Kilometer. Was grundsätzlich Privatsache ist, weil nicht jeder in der neuen digitalen Welt diese Informationen haben sollte.

Genau an diesem Punkt hapert es. Die Tester erklären die Dimension des Problems so: „Besitzer der Apple Watch erhalten später vielleicht einen überteuerten oder gar keinen Kredit und wissen nicht einmal, warum.“ Problematisch ist auch, wenn sich ein Anbieter wie Fitbit das Recht einräumen lässt, Name, Geburtsdatum, Gewicht und sportliche Aktivität an andere Firmen weiter zu leiten.

Dreist ist auch der chinesische Hersteller Huawei, den die Tester so zitieren: „Wenn Sie Huawei-Dienste zum Weitergeben von Inhalten an Ihre Freunde verwenden, müssen Sie die Kontaktinformationen Ihrer Freunde angeben, wie den Namen, das Profilbild, Telefonnummer und E-Mail-Adresse.“

Unterbinden könnten die Nutzer von Fitness-Armbändern und Sportuhren diese Datenlecks nichts. Die Tester werteten daher nahezu alle „Wearables“, also am Körper zu tragende Produkte, um eine Note ab. Der Zielkonflikt für Nutzer bleibt: Modern, aber mit Datenleck? Oder doch lieber altmodisch und privat?

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