Stimmungsbericht aus Hamburg
Blankes Hänschen

Selbst die „Sonderfahrt Seefahrergelage“ findet statt: Die erste Sturmflut, die mit dem Orkan „Xaver“ Hamburg erreicht, fällt weniger dramatisch aus als befürchtet. Die Stadt ist heute weit besser gegen Fluten geschützt.
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HamburgDer blanke Hans ist nur ein Hänschen. Schwappt über die Hafenkante am Altonaer Fischmarkt, flutet die Fischauktionshalle gerade mal ein paar Zentimeter hoch. Die hat wie immer an solchen Tagen ihre Tore weit geöffnet, damit das Wasser nicht nur von außen gegen die alten Mauern drückt.

Für die Hamburger ist das nichts ungewöhnliches, solche Sturmfluten gibt es jeden Winter ein paar Mal. Ein paar Dutzend Schaulustige sind dennoch am Donnerstagabend zum Fischmarkt gekommen. Und ein paar Fernsehteams, die Bilder für die Abendnachrichten liefern sollen. Wahrscheinlich hatten sie sich mehr erwartet von „Xaver“, dem Sturmtief, dass sich am Mittwoch bei Grönland zusammenbraute und am Donnerstagnachmittag auf die deutsche Nordseeküste traf. Mit Orkanböen von Stärke zwölf sollte der das Wasser von Nordwesten in die Elbmündung drücken – ähnliche Bedingungen wie zur Flut von 1962, die weite Teile der Stadt unter Wasser setzte.

Tatsächlich erreicht die Flut an diesem Abend etwa die gleiche Höhe wie vor 51 Jahren. Doch die Stadt ist inzwischen weit besser geschützt, weil sie Deiche und Flutschutzmauern kräftig aufgestockt hat. Der Wind, der am Nachmittag noch mit Geschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern durch die Stadt fegte, ist am Abend zwar noch unangenehm kalt und scheidend, scheint aber an Kraft zu verlieren.

An Landungsbrücke 10 liegt die „Kirchdorf“, einer der Hafenrundfahrtsdampfer der örtlichen Hadag-Reederei. „Sonderfahrt Seefahrergelage“ steht in Leuchtschrift an der Seite des Schiffes. Drinnen sind die Tische gedeckt. Am Eingang zum Anleger steht Schiffsführer Marcel Küster. „Wir fahren“, sagt er und grinst. „Ist doch genug Wasser da!“ Um 20 Uhr soll es losgehen – wenn die angemeldeten Gäste kommen.

Weiter stadteinwärts zeigen die Museumsschiffe „Rickmer Rickmers“ und „San Diego“ ihre Rümpfe. Normalerweise sind von der Straße hinter der Flutschutzmauer nur Masten und die Aufbauten zu sehen, doch die Flut hat sie weit nach oben gehoben. Im Verlagshaus von Gruner + Jahr brennt in einigen Büros noch Licht. Dabei hat das Unternehmen den rund 2000 Mitarbeitern, die direkt an der Hafenkante arbeiten, schon per Rundmail am Vormittag geraden, sich vorzeitig auf den Heimweg zu machen, um nicht in den Sturm zu geraten.

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