Stolpe will prüfen
Experten fordern kürzere Lenkzeiten in der EU

Nach den verheerenden Busunfällen mit 28 Toten bei Lyon und 33 Toten in Ungarn am Plattensee haben Experten kürzere Lenkzeiten für Busfahrer in Europa gefordert. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderten kürzere Phasen am Steuer und stärkere Kontrollen im Reiseverkehr. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) sagte in Lyon, nun müssten schärfere Regelungen vor allem für Langstreckenbussen in Europa geprüft werden.

HB/dpa HAMBURG. „Die Lenkzeiten der Fahrer müssen verkürzt und die Pausen sowie die Ruhezeiten erweitert werden“, sagte der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg am Sonntag in Berlin. Der Wettbewerbsdruck in der Reisebranche dürfe nicht zum tödlichen Risiko für die Fahrgäste werden. „Offensichtlich gibt es bisher kein Interesse, die Praxis zu Gunsten der Sicherheit des Fahrgastes zu verbessern“, sagte Stefan Heimlich, Experte für Straßenpersonenverkehr von Verdi, in einem dpa-Gespräch.

Reisebusse und Lastwagen, die wie der Unglücksbus von Lyon mit zwei Fahrern ausgestattet sind, dürften nach EG-Verordnung in den Ländern der Europäischen Union bis zu 22 Stunden ununterbrochen unterwegs sein. Doch selbst wenn die Fahrer sich abwechseln, nehme der Stress bei zunehmender Fahrzeit zu. „Im Geist fährt auch der Beifahrer mit“, sagte Heimlich. Ohne zweiten Fahrer sei die Fahrzeit auf neun Stunden begrenzt. Neben einer Verkürzung der Fahrzeiten forderte Heimlich eine rasche Einführung eines effizienten digitalen Tacho-Schreibers und ein Qualitätssiegel für die Reisebranche. Bisher sollen digitale Tacho-Schreiber seinen Angaben zufolge bis 2011 schrittweise mechanische Kontrollkarten ersetzen.

Stolpe sagte, nach den Unfällen sei das Thema Verkehrssicherheit vordringlich. „Dazu gehört auch die Anschnallpflicht in Fernbussen und die Kontrolle älterer Busse.“ Der Unglücksbus von Lyon soll zwölf Jahre alt gewesen sein. Von Verdi-Experte Heimlich wurde Stolpe aufgefordert, sich nun bei der EU in Brüssel für schärfere Regelungen einzusetzen. „Die EU-Kommission hat bereits erkannt, dass wir dringenden Handlungsbedarf haben.“ Auch Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) kündigte verstärkte Kontrollen von Reisebussen an.

Wie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer berichtete, werden Busse in der Regel alle vier Jahre komplett ausgetauscht, so dass veraltete Technik kaum zum Problem werde. Zudem verfüge jeder moderne Reisebus über einen Tempomaten, der die Geschwindigkeit auf Tempo 100 begrenzt, die in Deutschland zugelassene Höchstgeschwindigkeit für Reisebusse. „Die Technik der Busse ist soweit o.k.“, bestätigte Verdi-Experte Heimlich.

Nach Angaben des Omnibusunternehmer-Verbands gibt es bei älteren Doppeldeckerbussen allerdings einen wunden Punkt: Sie verfügen nicht über Gurte. Seit einer Gesetzesänderung zum 1. Oktober 1999 ist die Anschnallpflicht EU-weit vorgeschrieben.

„Busse sind an sich sehr sichere Verkehrsmittel“, betonte der ADAC-Experte Klaus Reindl in einem dpa-Gespräch. Bundesweit seien bei Unfällen mit Reise- und Linienbussen im vergangenen Jahr 15 Menschen ums Leben gekommen. „Das Risiko mit einem Pkw einen Unfall zu haben, ist sieben Mal größer als bei einem Bus.“

Der Bundesverband Deutscher Vertriebsfirmen (BDV) wies darauf hin, auch bei Busreisen für Werbefirmen werde streng auf die Sicherheit der Reisenden geachtet werde. Bei Gewinn- und Kaffeefahrten würden grundsätzlich dieselben Sicherheitsvorschriften gelten wie bei anderen Busreisen.

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