Strafmaß folgt im Juni: Martha Stewart muss hinter Gitter

Strafmaß folgt im Juni
Martha Stewart muss hinter Gitter

Die einem Millionenpublikum bekannte amerikanische Ratgeberin für Schönes Wohnen, Martha Stewart, muss ins Gefängnis. Zwölf Geschworene verurteilten die 62-Jährige, die in den USA seit Jahren für viele die Maßstäbe für Wohnen und Leben mit Stil und Geschmack setzt, am Freitag wegen Verschwörung, Falschaussage und Justizbehinderung.

HB NEW YORK. Zwar wäre die mögliche Höchststrafe 20 Jahre Haft, doch rechnen Beobachter mit einer Strafe von bis zu zwei Jahren. Das Strafmaß wird am 17. Juni verkündet.

Für ihr Geschäftsimperium Martha Stewart Living Omnimedia, das praktisch ausschließlich das gute Image der Gründerin vermarktet, dürfte das Urteil ein schwerer Schlag sein. „Ich bin nicht sicher, ob die Marke es überlebt, mit einer verurteilten Kriminellen in Verbindung gebracht zu werden“, sagte die Chefin der Image Consulting-Firma Lister Butler, Anita Hersh, der „New York Times“. Das Unternehmen hat seit dem Börsengang 1999 mehr als die Hälfte an Börsenwert verloren. Der Jahresumsatz fiel im vergangenen Jahr um 16,7 Prozent auf 245,8 Millionen Dollar.

Stewart, die mit Haus- und Gartenshows im Fernsehen, Zeitschriften und eigenen Markenartikeln ein Millionenvermögen verdient hat, stolperte über einen dubiosen Aktienverkauf, der ihr Verluste von gerade 50 000 Dollar ersparte. Nach Überzeugung des Gerichts handelte sie nach einem illegalen Tipp ihres Börsenmaklers, tischte Ermittlern dann aber eine Lügengeschichte über die Gründe für den Verkauf auf.

Ihr Makler, Peter Bacanovic, wurde ebenfalls schuldig gesprochen.

Der Schuldspruch kam für viele Beobachter überraschend, nicht zuletzt für eine Reihe von Wall Street Brokern, die den Aktienpreis von Stewarts Unternehmen in Erwartung eines Freispruchs in die Höhe getrieben hatten. Nach dem Urteil sackte der Kurs um 20 Prozent.

Martha Stewart-Fans sind bis heute überzeugt, dass die Behörden an der bekannten Unternehmerin ein Exempel statuieren wollten. Gewohnt kämpferisch kündigte Stewart sofort Berufung an.

„Natürlich bin ich erschüttert“, teilte sie auf ihrer Internet-Seite mit. „Ich werde weiter kämpfen... und bleibe überzeugt davon, dass ich am Ende die Oberhand behalten werde.“

Mit ihrem Hang zum Perfektionismus hat Stewart, einst auf der Liste der 50 einflussreichsten Frauen der Zeitschrift „Fortune“, sich nicht nur Freunde gemacht. Angestellte sprechen vom explosiven Temperament der Chefin, die bei kleinsten Fehlern in Rage gerät. Doch die Fangemeinde von Stewart ist riesig. „Ich bete für Sie. Mögen Sie uns alle weiter anleiten und inspirieren, unser Heim und Leben besser zu gestalten“, schrieb eine Frau vergangene Woche. Stewart stellt die Fanpost auf ihre Internet-Seite.

Stewart hatte im Dezember 2001 Aktien der Biotechnologiefirma ImClone verkauft, einen Tag, bevor der Kurs stürzte, weil einem Medikament der Firma die Zulassung verweigert wurde. Stewart und Bacanovic behaupteten, sie hätten den Verkauf bei einem bestimmten Preis lange vorher abgesprochen.

Bacanovics Assistent Douglas Faneuil (28) sagte dagegen aus, er habe Stewart auf Anordnung von Bacanovic informiert, dass ImClone-Gründer Sam Waksal in großem Stil verkaufe. Waksal, ein Freund Stewarts, hatte Wind von der bevorstehenden Zulassungsverweigerung bekommen. Er verbüßt wegen Wertpapierbetrugs inzwischen eine siebenjährige Haftstrafe.

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