Strafmaß wird später bekannt gegeben
Kinderschänder Dutroux des Mordes schuldig gesprochen

Der belgische Kinderschänder Marc Dutroux (47) ist des Mordes schuldig.Das hat ein Schwurgericht im belgischen Arlon am Donnerstag befunden. Das Strafmaß wird erst nach weiteren Beratungen des Gerichts bekannt gegeben werden.

HB ARLON. Die Geschworenen sahen es nach einem knapp viermonatigen Prozess als erwiesen an, dass Dutroux Mitte der 90er Jahre insgesamt sechs Mädchen entführte und vergewaltigte. Die vier Mädchen Julie Lejeune, Melissa Russo, An Marchal und Eefje Lambrecks überlebten die Gefangenschaft nicht. Dutroux hatte bis zuletzt bestritten, für den Tod der Mädchen verantwortlich zu sein. Sollte Dutroux am Ende der Urteilsverlesung aller Vorwürfe für schuldig befunden werden, steht ihm eine lebenslange Haftstrafe bevor.

Der Fall Dutroux hatte bei seinem Bekanntwerden ganz Belgien schockiert und Massendemonstrationen sowie einen Justizskandal ausgelöst, als Schlampereien während des Ermittlungsverfahrens bekannt wurden. 1999 trug der Eklat zur Abwahl der Regierung bei. Dutroux, der 1996 verhaftet worden war, und seine Mitangeklagten waren bei der Urteilsverkündung nicht im Gerichtssaal.

„Jetzt können wir diese Mörder endlich bestrafen. Heute werden wir mein kleines Mädchen rächen“, sagte Jeanine Lejeune, Julies Großmutter, als sie den Gerichtssaal betrat.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 47-Jährigen Dutroux vorgeworfen, 1995 die Mädchen Julie, Melissa, An und Eefje entführt, vergewaltigt und ermordet zu haben. Ihre Leichen wurden auf Grundstücken in der Nähe von Charleroi ausgegraben. Die ebenfalls entführten und vergewaltigten Mädchen Sabine und Laetitia befreite die Polizei 1996 nach monatelanger Gefangenschaft aus einem Kellerverlies in Dutroux' Haus.

Neben dem früheren Elektriker Dutroux mussten sich seine Ex-Frau Michelle Martin, sein mutmaßlicher Komplize Michel Lelievre sowie der Brüsseler Geschäftsmann Michel Nihoul vor Gericht verantworten. Außer den Kindesentführungen warf die Staatsanwaltschaft Dutroux die Ermordung seines mutmaßlichen Komplizen Bernard Weinstein, die Vergewaltigung dreier Slowakinnen sowie Drogenhandel vor.

Der Prozess gegen Dutroux hatte am 1. März in Arlon im Osten Belgiens begonnen. Mehr als 500 Zeugen wurden vernommen. Die Mitschrift der Beweisaufnahme umfasst 440 000 Seiten. Dutroux hat die Entführungen und Vergewaltigungen zugegeben. Den Mord an den vier Mädchen bestritt er jedoch und machte dafür seine mitangeklagte Ex-Frau Michelle Martin verantwortlich. In seinem Schlusswort sagte Dutroux vergangene Woche, er sei von einem Pädophilenring gezwungen worden, die Mädchen zu entführen. Trotz entsprechender Spekulationen zu Prozessbeginn wurden keine Beweise für einen solchen Ring gefunden.

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