Straftaten des Vaters sollen bekannt gewesen sein
Neue Vorwürfe gegen Jugendamt im Fall Kevin

Das Bremer Jugendamt hat nach Informationen der „Bremer Nachrichten“ im Fall Kevin alle Details über das kriminelle Vorleben der Eltern gekannt. Die Angaben zum Vater und seiner verstorbenen Frau würden in der Sozialbehörde ganze Bände füllen, berichtete die Tageszeitung am Dienstag unter Bezug auf namentlich nicht genannte Informanten. Das Jugendamt hatte erklärt, es habe nichts von den Vorstrafen des Vaters gewusst. Die Bremer Staatsanwaltschaft bezweifelt dies.

HB BREMEN. Den „Bremer Nachrichten“ zufolge sollen sämtliche Informationen in den Akten des Sozialamtes verfügbar gewesen sein. „Wenn man gewollt hätte, hätte man alles wissen können“, zitiert die Zeitung ihre Informanten. In einem Ordner soll unter anderem ein Zeitungsbericht vorliegen, in dem die kriminelle Karriere des Vaters genau dargestellt sei.

Die Bremer Staatsanwaltschaft bekräftigte am Dienstag ihre Aussage, das Jugendamt sei über Kevins Vater informiert gewesen. „Ob nun jedes Verfahren bekannt war, weiß ich nicht, aber einige Verfahren waren auf alle Fälle bekannt“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Frank Passade. Für Details müsste das konkrete Ermittlungsverfahrens abgewartet werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf Verletzung der Fürsorgepflicht gegen den Sozialarbeiter vor Ort und den Amtsvormund. Sie hatte Akten der Sozialbehörde beschlagnahmt, um feststellen zu können, wer Anordnungen wann getroffen oder vielleicht unterlassen hat.

Die Sprecherin der Sozialbehörde, Heidrun Ide, sagte am Dienstag: „Ich kann nur wiedergeben, was das Jugendamt vor Tagen gesagt habt, nämlich „Wir haben von nichts gewusst'.“ Der ganze Fall werde von der Innenrevision geprüft, und das Verfahren könne bis zu zwei Monaten dauern.

Der zweijährige Kevin war am 10. Oktober tot im Kühlschrank gefunden worden. Der 41-jährige Vater, der wegen Verdachts auf Totschlags in Untersuchungshaft sitzt, ist mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestraft. Außerdem läuft gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen des ungeklärten Todes von Kevins Mutter im November 2005. Weder die Ermittlungen noch die Vorstrafen seien im Jugendamt bekannt gewesen, hatte dessen Chef Jürgen Hartwig kurz nach Bekanntwerden des Falls gesagt. Das Jugendamt hatte nach dem Tod der Mutter die Vormundschaft für Kevin übernommen, das Kind aber nach dem 20. April nicht mehr aufgesucht.

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