Strahlengefahr: Japans Angst vor den Lebensmitteln

Strahlengefahr
Japans Angst vor den Lebensmitteln

In Japan wächst neben der Furcht vor einem atomaren Gau im havarierten Atomkraftwerk Fukushima auch die Angst vor verstrahlten Lebensmitteln wie Wasser, Milch und Spinat. Die Weltgesundheitsorganisation ist besorgt.
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TokioIn Japan wächst die Gefahr aufgrund von radioaktiv belastetem Trinkwasser und verstrahlten Lebensmitteln. Die japanische Regierung hat als Konsequenzen aus den Warnungen über wahrscheinlich erhöhte Strahlenwerte in Lebensmitteln aus den verseuchten Gebieten die Lieferungen von Frischmilch aus der Präfektur Fukushima sowie von Spinat und mehrere andere Gemüsesorten aus mehreren angrenzenden Bezirken verboten. Ein komplettes Dorf in der Fukushima-Region darf kein Leitungswasser mehr trinken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist über die Belastung von Lebensmitteln „stark besorgt“, wie ein WHO-Sprecher in Genf sagte. Es handele sich nicht um ein örtlich einzugrenzendes Problem.

Messungen im Trinkwasser des Dorfes Iitate rund 30 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt ergaben einen deutlich erhöhten Wert von 965 Becquerel Jod pro Liter Leitungswasser, wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichtete. Der Grenzwert liegt bei 300 Becquerel. Auf der Website des Dorfes hieß es, in der kommenden Woche seien für die Bevölkerung Strahlungstests geplant.

Spuren von radioaktivem Jod wurden laut Kyodo mittlerweile in dem Trinkwasser von neun Präfekturen gemessen, unter ihnen Tokio. Cäsium wurde in zwei weiteren festgestellt. Die Grenzwerte der Kommission für atomare Sicherheit seien aber bei allen diesen Proben unterschritten worden. Das Lieferverbot für Milch und Gemüse gilt für die vier Regionen Fukushima, Ibaraki, Tochigi and Gunma, wie Regierungssprecher Yukio Edano sagte.

Die Tokio Electric Power Company (Tepco), Betreiber des stark beschädigten Kernkraftwerks Fukushima Eins, will womöglich eine Entschädigung an Bauern in der Region zahlen. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Montagabend (Ortszeit) berichtete, habe Tepco das angedeutet.

Der Strahlenbiologe Edmund Lengfelder warnte zudem vor den Folgen der radioaktiven Verstrahlung im Pazifik. Die Nuklide würden von Fischen und anderen Meerestieren aufgenommen und gelangten über die Nahrungskette wieder zum Menschen. Dies sei fatal für die Japaner, die sich überwiegend von Fisch ernährten. „Nie wieder Sushi, könnte man sagen“, meinte der Strahlenbiologe.

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