Straßenschluchten schwarz vor Menschen
New York im Chaos - aber nicht in Panik

Der erste Reflex der Menschen in den plötzlich dunklen, feststeckenden Fahrstühlen und U-Bahnen in New York dürfte die Furcht vor einem neuen mörderischen Terroranschlag gewesen sein.

HB/dpa NEW YORK. Als an diesem glühend heißen Donnerstagnachmittag das gesamte Leben wegen des totalen Stromausfalls zum Erliegen kam, brach zwar Chaos aus - doch trotz aller Ängste keine Panik. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg beruhigte in Interviews auf allen Sendern seine Mitbürger: „Ich versichere Ihnen, dass es keinen Hinweis auf irgendeinen terroristischen Hintergrund gibt“.

Trotzdem erinnerten viele der Bilder von New York an den Terrortag des 11. September 2001. Der zentrale Bahnhof Central Station wurde evakuiert, das UN-Gebäude geräumt. Schwarzer Rauch über der 14. Straße ließ das Schlimmste befürchten. Aber das Feuer im Kraftwerk Consolidated Edison konnte schon bald unter Kontrolle gebracht werden - und war, wie die Behörden versicherten, nicht von einem Anschlag ausgelöst worden. Nach Angaben der Behörden war die Ursache für den Stromausfall wahrscheinlich eine Überlastung des Kraftwerksnetzes Niagara Mohawk.

Aus den U-Bahnen wurden von den Metro-Angestellten Tausende von Menschen mit Stablampen aus den dunklen Schächten geführt. „Glücklicherweise sind wir für solche Situationen trainiert worden“, berichtete ein U-Bahn-Mitarbeiter im Fernsehen.

Hunderttausende von Menschen strömten aus den Wolkenkratzern, viele reihten sich in die Schlangen vor den öffentlichen Telefonen, da die Handys nicht funktionierten. „Wir wussten doch nicht, was geschehen ist, ich hatte schon Angst und wollte unbedingt erst mal meinen Mann sprechen“, berichtete eine junge Frau. Manche der Straßenschluchten war schwarz vor Menschen, die zu Fuß nach Hause strömten. Endlose Menschenschlangen auf dem Weg von Manhattan in die Vororte wie Brooklyn und Queens prägten das Straßenbild.

Bürgermeister Bloomberg betonte zwar, dass niemand verletzt sei. Aber während des Stromausfalls wusste noch niemand, wie viele Tausende in den finsteren Schächten der Metro oder in den Fahrstühlen der Hochhäuser festsaßen. Fast alle Krankenhäuser schalteten erfolgreich auf Notstromaggregate um, nur eine Klinik hatte nach Angaben Bloombergs Probleme.

Erinnerungen an den berühmt-berüchtigten „Blackout“ von New York im Juli 1977 wurden geweckt. Der Schaden, der damals entstand, wurde in einem Kongress-Bericht mit 300 Millionen Dollar beziffert. Damals wurden während des stundenlangen Stromausfalls in der heißen Nacht 1 000 Geschäfte geplündert. Neun Monate später wurden allerdings drei Mal so viel Geburten registriert wie sonst zu dieser Zeit üblich.

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