Streit um Deutschlands größtes Festival
„Rock am Ring“ endet – der Kampf beginnt

Nach 29 Jahren verlässt Deutschlands größtes Festival den Nürburgring – und das nicht freiwillig. Bei aller Melancholie am Wochenende schwangen Kampfansagen von Veranstalter Lieberberg mit. Denn die Konkurrenz lauert.
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NürburgringAuf der Centerstage spielt an diesem Samstagnachmittag Alligatoah. Ein Newcomer des deutschen Hip Hop. Es ist sein erster Auftritt bei Rock am Ring. Im Pressezentrum – keine 30 Meter Luftlinie entfernt – lädt derweil das ultimative Urgestein des Festivals zur Pressekonferenz. Der Letzten am Nürburgring.

Marek Lieberberg trägt eine Sonnenbrille. Nicht aus Scham witzelt er. Sondern um sich die Weitsicht – den Blick in die Zukunft – zu bewahren. Die braucht er wohl dieser Tage, denn die Wellen um ihn und Deutschlands größtes Festivals schlagen seit Wochen hoch. Das Setting der Konferenz soll bereits die Wichtigste aller Fragen ausräumen. Lieberberg steht vor einer Leinwand. „Das ist sicher: Wir rocken weiter“ steht dort mit großen Buchstaben geschrieben.

Nächstes Jahr wollte Lieberberg das 30-jährige Jubiläum des Festivals am Ring feiern. Doch stattdessen ist er nun auf der Suche nach einer neuen Location. Der neue Nürburgring-Besitzer, der Autozulieferer Capricorn, hatte sich mit Lieberberg nicht auf eine neue Gewinnbeteiligung einigen können. 35 Prozent sind es wohl derzeit – Capricorn wollte angeblich 45 Prozent.

Es geht um Millionen. 200 Euro kostet inzwischen ein normales „Rock am Ring“-Ticket, VIP-Tickets bis zu 899 Euro. Große Sponsoren von Automobilherstellern bis Bierbrauereien unterstützen die Veranstaltung. Unzählige der 85.000 Zuschauer gehen am Ende des Wochenendes mit einem Merchandise-Artikel nach Hause. Und auch die Übertragungsrechte sind inzwischen begehrt: 1,7 Millionen Menschen schalteten Donnerstag und Freitag trotz bestem Wetter die Fernseher ein – knapp 30 Prozent mehr als im Vorjahr. 

Wer das weiß, der ahnt auch, dass der Abgang Lieberbergs kein friedlicher ist. Bei der Fahrt auf das Festivalgelände begegnet dem Besucher an der letzten Tankstelle das erste Werbeplakat für die „Grüne Hölle – Rockfestival am Nürburgring“. Am ersten Juni Wochenende 2015 soll es stattfinden – demselben Wochenende wie „Rock am Ring“. „Wir werden die Werbung nicht kommentieren“, sagt Lieberberg zu den Journalisten. Man gehe in Wehmut, aber nicht in Zorn.

Doch man muss nicht zwischen den Zeilen lesen können, um den teils bissigen, teils verletzten Ton zu bemerken, der sämtliche Fragen nach dem künftigen Konkurrenzfestival begleitet. „Beton allein macht noch kein Festival, Steine allein machen noch keine Legende“, sagt Lieberberg mit Blick auf den bisherigen Veranstaltungsort. „Rock am Ring ist der Bund zwischen tollen Fans, fantastischen Bands und uns.“ Und genau diese Bands wähnt er auf seiner Seite. Über die Jahre seien hier Verbindungen und Freundschaften gewachsen. Auf diese werde man im kommenden Jahr setzen. Die inne liegende Drohung an das Konkurrenzfestival ist kaum zu überhören.

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„Rock ohne Ring ist nicht dasselbe“

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