Streit um Fiaker
Wiener Kutschen drohen scharfe Gesetze

Tierschützer kritisieren die Bedingungen, unter denen die Pferde in Wien Kutschen ziehen müssen. Nun plant die Stadtregierung ein schärferes Gesetz. Die deutschen Touristen bekommen von dem Zoff nichts mit.
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WienEs ist Wiens wichtigster Platz, die Freifläche gleich neben dem Stephansdom. Zu Hunderten drängen sich dort die Touristen, die die bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt bewundern. Doch an der Nordseite der gewaltigen Kirche gibt sich Wien alles andere als gastfreundlich: Es stinkt, nach Kot und Urin. Gleich neben dem Dom warten mindestens zehn Pferdekutschen auf Fahrgäste, die Kirche im Stadtzentrum ist wichtigster Sammelpunkt für Wiens berühmte Fiaker.

Nun gibt es Ärger wegen der Fiaker, die so prägend zum Wiener Stadtbild gehören wie Stephansdom, Prater und Hofburg. Die neue rot-grüne Stadtregierung, seit dem Herbst vergangenen Jahres im Amt, will das Fiaker-Gesetz verschärfen. Mehr Kontrollen soll es geben, auch die Betriebszeiten für die berühmten Zweispänner werden eingeschränkt. Alles aus Gründen des Tierschutzes, mit dem sich die rot-grüne Regierung in Österreichs Hauptstadt profilieren will.

„Uns geht das viel zu weit“, beschwert sich Walter Stolba, Fiaker-Sprecher in der Wiener Wirtschaftskammer. Die 40 Fiaker-Betriebe würden viel zu sehr eingeschränkt, sollten die neuen Bestimmungen tatsächlich wie geplant im Sommer in Kraft treten. Für Wiens obersten Fiaker-Betreiber steht fest, dass die Grünen im Rathaus den Wünschen radikaler Tierschützer auf den Leim gegangen seien.

Am meisten schmerzt die Fiaker-Fahrer, dass die täglichen Betriebszeiten um zwei Stunden reduziert werden sollen: Künftig dürfen die Kutschen nur noch zwischen 10 und 22 Uhr Fahrgäste durch die Wiener Innenstadt fahren, bisher ist das noch von 9 bis 23 Uhr möglich. Polizei und Veterinäramt sollen die Fiaker-Betreiber auf der Straße und in den Stallungen intensiver und häufiger kontrollieren.

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  • Erst vor einigen Monaten sind in Mittenwald bei einem spektakulären Unfall mit einer Pferdekutsche sechs Menschen zum Teil schwer verletzt worden.

    Pferde sind Fluchttiere, sehen unscharf und können aus den Augenwinkeln nichts erkennen. Sie erschrecken bei plötzlichen Geräuschen und Bewegungen. Auch der ADAC warnt: "Für den Autofahrer ist beim Überholen von Pferden höchste Vorsicht angesagt. In der Praxis bedeutet das: langsam fahren, größtmöglichen Abstand halten, auf keinen Fall hupen oder dröhnend Gas geben".



  • Kutschfahrten zur Touristen-Attraktion müssen verboten werden!

    Alte, geschwächte oder gar kranke Pferde müssen sich tagein, tagaus, manchmal in großer Hitze durch die Stadt quälen um das Gewicht von Kutsche und Touristen zu ziehen. Allein in der Stadt Rothenburg ob der Tauber sind in den letzten Jahren mindestens drei Pferde auf öffentlicher Straße - vor den Augen der Touristen - zusammenge-brochen und zum Teil quallvoll gestorben.

    Zum 1. Januar 2010 hat endlich die Stadtverwaltung die Kutschfahrten in der Innenstadt von Rothenburg untersagt. Das ist auch ein richtiger Schritt, denn Kutschfahrten zur Touristen-Attraktion müssen verboten werden - auch in Wien.

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