Streit um Gurlitt-Erbe
Cousine droht dem Kunstmuseum Bern

Fast 1300 Kunstwerke waren in Cornelius Gurlitts Privatwohnung gefunden worden. Nach seinem Tod vererbte er sie dem Kunstmuseum Bern. Doch nun tritt seine Cousine auf den Plan und droht mit einem jahrlangen Rechtsstreit.
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ZürichEs war ein einmaliger Kunstfund: In seiner Münchener Privatwohnung hortete Cornelius Gurlitt, Sohn des bekannten Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, einen Schatz von tausenden Gemälden. Nach seinem Tod hat Gurlitt den Bilderschatz dem Kunstmuseum Bern vererbt. Doch nun droht seine Cousine mit einem jahrelangen Rechtsstreit um das Millionenerbe.

Nächste Woche will der Stiftungsrat des Kunstmuseum Bern entscheiden, ob die Schweizer das heikle Erbe annehmen. Bisher sickerte durch, dass das Kunstmuseum die Bilder nur dann nehmen wolle, wenn der deutsche Staat weiterhin die aufwändige Herkunft der Werke ermittelt – sprich, ob ein Bild zur Raubkunst zählt. In diesem Fall sollen die Bilder dann den rechtmäßigen Erben zurück gegeben werden.

Nun droht der Fall noch komplizierter zu werden. Denn Uta Werner, eine Cousine von Cornelius Gurlitt, tritt auf den Plan und droht, das Testament anzufechten. „Meine Klientin erwägt, gegen das Testament vorzugehen“, sagte ihr Anwalt Wolfgang Seybold zum Schweizer „Tages-Anzeiger“. Sie stützt sich auf ein Gutachten des Psychiatrie-Professors Helmut Hausner, aus dem diese Woche bereits in der Presse zitiert worden war.

Laut dem Gutachten litt „Gurlitt bei der Errichtung des Testaments an einer leichtgradigen Demenz, einer schizoiden Persönlichkeitsstörung und einer wahnhaften Störung.“ Sprich, laut dem Gutachten gäbe es ernsthafte Zweifel, ob Gurlitt überhaupt in der Lage war, sein Vermögen dem Berner Kunstmuseum zu vermachen.

Offenbar hat das Auftreten der deutschen Behörden die Cousine Gurlitts auf die Barrikaden getrieben. Laut Anwalt Seybold habe sie zunächst Gurlitts Testament akzeptieren wollen. Doch dann hat die Leiterin der Gurlitt-Taskforce, Ingeborg Berggreen-Merkel, sowie die deutsche Kulturstaatssekretärin Monika Grütters den Erbfall ans Kunstmuseum Bern als „Glücksfall“ bezeichnet.

Sprich, die Familie Gurlitts sei nicht in der Lage, angemessen mit dem Kunstschatz umzugehen. Uta Werner habe sich damit als unseriös abgestempelt gefühlt – und will sich nun wehren. Noch scheint aber nicht sicher, dass es ein jahrelanges juristisches Tauziehen um das Erbe gibt. Werners Anwalt kündigte an, zunächst das Gespräch mit den Anwälten des Berner Kunstmuseum zu suchen.

Im November 2013 war bekanntgeworden, dass Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft im Februar 2012 fast 1300 Kunstwerke in Gurlitts Münchner Wohnung beschlagnahmt hatten. Eine eigens eingerichtete Taskforce schloss einen Raubkunst-Verdacht bei 458 Werken nicht aus.

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