Streit um Kondome und Macht Malteserorden gegen den Papst

Er existiert schon seit dem Mittelalter, doch jetzt ist der Malteserorden in Aufruhr. Grund sind Kondome, Intrigen und ein deutscher Adeliger. Verwickelt sind auch konservative Gegner von Papst Franziskus.
Kommentieren
Papst Franziskus steht zusammen mit Robert Matthew Festing, dem Großmeister der Malteser, bei einer privaten Audienz im Vatikan. Die Führungsetage des Malteserordens ist derzeit zerstritten. Quelle: dpa
Robert Matthew Festing beim Papst

Papst Franziskus steht zusammen mit Robert Matthew Festing, dem Großmeister der Malteser, bei einer privaten Audienz im Vatikan. Die Führungsetage des Malteserordens ist derzeit zerstritten.

(Foto: dpa)

RomGehorsam wird beim Malteserorden groß geschrieben. Rebellion duldet der katholische Ritterorden nicht. Doch was derzeit in der Führungsetage los ist, ist für den Orden mit seiner fast 1000-jährigen Geschichte und seinen weltweiten Hilfsorganisationen ein Skandal. Der Streit hat sogar seinen Weg bis zu Papst Franziskus gefunden - dessen konservative Gegner versuchen offenbar, sich auch mit Hilfe der Führungsspitze des Ordens in Stellung zu bringen.

Der Aufruhr nahm seinen Anfang mit der Entlassung des Großkanzlers der Malteser, des Deutschen Albrecht von Boeselager. Der hatte seit 2014 das Amt inne, das einem Außenminister entspricht. Boeselager wurde offenbar unter anderem ein jahrelang zurückliegender Kondomstreit zum Verhängnis. Die Hilfsorganisation des Ordens - der sich eine der ältesten Institutionen der christlichen Zivilisation nennt - hatte in Myanmar Kondome verteilt, obwohl die katholische Kirche Verhütungsmittel ablehnt.

Im Dezember wurde Boeselager des Amtes enthoben - seitdem kämpft er erbittert gegen seine Entlassung. Der deutsche Adelige will sich nicht als Galionsfigur der Kondomverteiler sehen. Es sei „absurd“ anzunehmen, dass er sich gegen die Sexual- und Familienlehre der Kirche stelle, heißt es in einem Schreiben Boeselagers, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Viele halten es allerdings für „Kokolores“, dass der Kondomstreit der wirkliche Grund für die Entlassung war.

Fest steht, dass ordentlich Zündstoff in der Sache liegt. Der oberste Chef der Malteser, Großmeister Matthew Festing, macht aus seiner Empörung über Boeselager kein Hehl. Es sei für „jedes Mitglied des Ordens eine Schande“, sich gegen das Kommando des Großmeisters zu stellen, hieß es in einer Erklärung. Doch der Deutsche gibt nicht auf. Diese Woche wurde bekannt, dass er bei einem Ordenstribunal Widerspruch gegen die Entlassung eingelegt hat.

„Ich wollte nicht Papst werden“
„Ach, wie sehr möchte ich eine arme Kirche für die Armen!“
1 von 16

Im März 2013 bei einer Audienz für Medienvertreter im Vatikan.

Quelle: afp

„Nein, ich wollte nicht Papst werden. Ein Mensch, der Papst werden will, liebt sich nicht selbst.“
2 von 16

Im Juni 2013 bei einer Fragestunde mit Jesuitenschülern im Vatikan.

„Wenn jemand homosexuell ist und guten Willens nach Gott sucht, wer bin ich, darüber zu urteilen?“
3 von 16

Im Juli 2013 auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro.

„Wir haben uns an das Leiden des anderen gewöhnt, es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an! (...) Die Globalisierung der Gleichgültigkeit hat uns die Fähigkeit zu weinen genommen!“
4 von 16

In einer Predigt auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa im Juli 2013.

„Sexueller Missbrauch ist eine schreckliche Straftat, weil ein Geistlicher, der so etwas tut, Verrat begeht am Leib des Herrn. Das ist wie eine satanische Messe.“
5 von 16

Bei der Heimriese von einem Nahost-Besuch am 26. Mai 2014

„Die Räume einer einschneidenden weiblichen Präsenz in der Kirche müssen weiter werden. Die Frauen stellen tiefe Fragen, denen wir uns stellen müssen. (...) Maria – eine Frau – ist wichtiger als die Bischöfe. (...) Der weibliche Genus ist nötig an den Stellen, wo Entscheidungen getroffen werden.“
6 von 16

Interview für die jesuitische Zeitschrift „Stimmen der Zeit“ im September 2013.

„Man kann nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer zu einem großen Friedhof wird.“
7 von 16

Rede im Europaparlament am 25. November 2014

Um die Sache „friedlich“ zu regeln, so der Vatikan, und um die wahren Hintergründe der Entlassung zu erfahren, hat der Papst sogar eine vatikanische Untersuchungskommission eingesetzt. Das aber ließ die Lage eskalieren. In einer Mitteilung des Ordens heißt es: Angesichts der „rechtlichen Irrelevanz“ der Kommission habe der souveräne Orden beschlossen, nicht mit ihr zusammenzuarbeiten. Die Führung eines katholischen Ordens zieht offen gegen den Papst ins Feld: Für Beobachter ein unerhörter Vorgang.

Der Streit steht nicht zuletzt für die immer stärker werdende Opposition gegen Franziskus und dessen Modernisierungskurs. Denn in die Debatte ist der konservative US-Kardinal Raymond Burke verstrickt, einer der heftigsten Kritiker von Franziskus und zugleich Kardinalpatron für die Malteser. Er soll bei der Entlassung von Boeselager dabei gewesen sein und eine gewisse Rolle gespielt haben. Im Vatikan zirkuliert die Vermutung, dass er ein Interesse daran habe, den Orden gegen Franziskus zu positionieren.

Dass Burke kein Freund des Papstes ist, ist bekannt. Franziskus hatte den Amerikaner 2014 vom wichtigen Amt des Leiters des obersten Gerichtshofs entfernt. „Um andernorts weniger Schaden anzurichten“, wie es in Vatikankreisen heißt. Burke gehört neben den deutschen Kardinälen Joachim Meisner und Walter Brandmüller auch zu jenen vier Kardinälen, die im vergangenen Jahr einen öffentlichen Brief an Franziskus geschrieben hatten, um vom Oberhaupt der Katholiken mehr Aufklärung über dessen Familienschreiben „Amoris Laetitia“ zu verlangen - dies war als noch nie da gewesener Affront gegen den Pontifex gewertet worden. Mit dem Streit im Malteserorden ist der Aufruhr im Vatikan nun um ein Kapitel reicher.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Streit um Kondome und Macht - Malteserorden gegen den Papst

0 Kommentare zu "Streit um Kondome und Macht: Malteserorden gegen den Papst"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%