Streit ums Copyright
Harry-Potter-Prozess startet in New York

David gegen Goliath: In New York beginnt am Montag der Prozess um das Harry-Potter-Lexikon eines unabhängigen Buchverlags. Potter-Autorin Rowling und Warner Brothers sehen in der Veröffentlichung von RDR Books eine Verletzung des Copyrights. Doch der kleine Verlag erhält prominente Unterstützung.

STANFORD. Am heutigen Montag beginnt vor einem New Yorker Bundesgericht das Verfahren um das Harry-Potter-Lexikon eines unabhängigen Buchverlags aus Michigan. Der Prozess wird in der US-Medienindustrie mit Spannung erwartet. RDR Books wollte das Lexikon 2007 auf den Markt bringen, wurde aber von Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling und Warner Brothers wegen Copyright-Verletzung verklagt. RDR hatte dies zurückgewiesen, aber vorsichtshalber vorläufig auf eine Veröffentlichung verzichtet.

Jetzt hat sich die juristische Fakultät der renommierten Stanford Universität auf die Seite des kleinen Verlags gestellt und den Kampf gegen die Milliarden-Konzerne Rowling und Warner aufgenommen. Ein Verbot des Lexikons käme einer dramatischen Ausweitung des Urheberrechts gleich, so das Argument. Handbücher und ähnliche Ausarbeitungen und Diskussionen zu literarischen Werken hätten eine lange Tradition und würden damit praktisch ausgelöscht. Mehrere Stanford-Professoren und Anwälte werden auf Seiten des Verlags am Prozess teilnehmen.

Rowling hatte argumentiert, sie plane selber ein Lexikon und könne daher keine anderen Wegweiser durch die Welt des Harry Potter und die Bücher und Filme dazu dulden. Außerdem verringerten sich so die Chancen, Erlöse aus ihrem Lexikon wohltätigen Organisationen stiften zu können. Außerdem seien die „Figuren, Plätze und Begriffe ihre eigenen kreativen Leistungen.“

RDR-Verleger Roger Rapoport dagegen spricht von einem Kampf „David gegen Goliath“. Der Verlag habe „jedes Recht, so ein Lexikon zu veröffentlichen.“ Es handele sich lediglich um Sekundärliteratur zu den Potter-Büchern. Der Autor Steve Vander Ark hatte zuvor völlig unbeanstandet eine Web-Seite zum Thema Harry-Potter veröffentlicht, die sogar von der Warner-Filmcrew und dem Spielehersteller Electronic Arts als Recherche-Hilfe bei der Erstellung ihrer Produkte genutzt worden sei.

Das Verbot des Lexikons käme einer dramatischen Ausweitung des Urheberrechts gleich, argumentiert Anthony Falzone, Executive Director des Fair Use Project (FUP). Das FUP der Standford Law School hat sich zur Aufgabe gemacht, die Grenzen des so genannten „Fair Use“, der erlaubten Nutzung von urheberrechtlich geschütztem Material vor allem im Forschung und Lehre, zu verteidigen und auszuweiten. Fair Use erlaubt die Nutzung, solange es sich um Umarbeitungen der Originale handelt und der Marktwert des ursprünglichen Werkes nicht gemindert wird.

Der „Fair Use“ steht in den USA unter massivem Druck von Seiten der Medienindustrie, die eine erhebliche Einschränkung bis hin zur generellen Abschaffung fordern. 2007 etwa hat das FUP eine Allianz mit dem Meidenanwalt Michael Donaldson gegründet, um das Recht von Dokumentarfilmern zu verteidigen, urheberrechtlich geschütztes Material in ihren Filmen verwenden zu dürfen. Außerdem erstritt das FUP 2007 das Recht, weiterhin Ausschnitte aus Werken des Autors James Joyce in Vorlesungen und literarischen Arbeiten verwenden zu können.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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