Streit zweier Schokalden-Hersteller
Goldhase gegen Schokoladen-Goliath

Zwei Schokoladenhersteller im Streit: Nachdem selbst zwei Gerichtsinstanzen bisher kein eindeutiges Urteil zum goldenen Osterhasen gefällt haben, geht der Kampf eines österreichischen Familienbetriebes gegen den Schweizer Edel-Hersteller Lindt weiter. Das könnte noch etlichen Goldhasen den Kopf kosten.

HB KITTSEE. In dem seit drei Jahren andauernden „Krieg der Osterhasen“ zwischen dem burgenländischen Familienbetrieb Hauswirth in Österreich und dem Schweizer Edel-Chocolatier Lindt und Sprüngli ist noch immer kein Ende in Sicht. 53 Jahre lang schmückte der „sitzende Goldhase“ aus Kittsee unzählige Osternester österreichischer und anderer europäischer Kinder. Dann machte eine Klage des Schweizer Konzerns dem langohrigen Meister Lampe 2004 den zumindest vorläufigen Garaus.

Doch Hauswirth-Chef Roman Hauswirth will den Kampf gegen den übermächtig scheinenden Konzern nicht aufgeben: „Ich habe was gegen die rücksichtslose Art und Weise, wie sie mit der Konkurrenz umgehen. Deshalb kämpfe ich gegen sie. Mir geht es ums Prinzip“.

Mit einer einstweiligen Verfügung stoppten die Schweizer 2004 den Vertrieb des in Goldfolie gehüllten und mit einer roten Schleife geschmückten, süßen Ostersymbols aus dem Nachbarland. Der Grund: Das burgenländische Löffelohr (Auflage 2004 ca. 300 000) sehe dem Lindtschen Goldhasen (Auflage rund 5 Millionen) zu ähnlich. Diesen modern gestylten Schokohasen hatte sich das Unternehmen im Jahr 2000 patentieren lassen. Und obwohl Roman Hauswirth vor Gericht argumentierte, sein Hase ziere bereits seit 1951 österreichische Osternester, sprach ein Gericht in der Alpenrepublik das vorläufige Verkaufsverbot aus. Aus Protest verschenkte Hauswirth 2005 Tausende Schokohasen an karitative Organisationen.

Zwei gerichtliche Instanzen produzierten bisher kein eindeutiges Urteil. „Zwar hat uns die letzte Instanz im Prinzip Recht gegeben, aber das hat die einstweilige Unterlassung nicht aufgehoben“, klagt Hauswirth. Für ihn ist der ganze Rechtsstreit, der im Juni dieses Jahres vor das Oberste Gericht kommen könnte, unverständlich: „Man kann doch nicht plötzlich irgendeine Form schützen, die viele Hersteller schon seit langem verwenden.“ Im Übrigen seien sich die beiden Schoko-Tierchen gar nicht wirklich ähnlich; und eine echte Konkurrenz sei der Burgenland-Hase für die Schweizer auch nicht, deren Goldhase erst seit 1995 über den österreichischen Markt hoppelt.

Doch Lindt besteht weiter auf dem Schutz seiner Marke. Das hockende Tier in Goldpapier mit roter Schleife werde bereits seit 1952 produziert und sei mittlerweile in der Schokobranche zum Symbol für Ostern geworden, rechtfertige Lindt-Sprecherin Sylvia Kälin schon 2005 den Streit ums Hasen-Copyright. Auf Grund der Einzigartigkeit des Aussehens sei auch der Markenschutz genehmigt worden.

Voraussichtlich im Juni oder Juli, so Lindt-Anwalt Lothar Wiltschek zur Wiener Tageszeitung „Der Standard“, könnte der Oberste Gerichtshof ein Urteil sprechen. Doch Roman Hauswirth ist skeptisch: „Der Rechtsstreit kann ewig so weiter gehen, denn die Richter könnten den Fall an eine niedrigere Instanz zurückverweisen, und dann fängt alles von vorne an.“ Er aber werde weiter um das Existenzrecht seines Hasen kämpfen, auch wenn er „froh wäre, wenn es endlich vorbei ist“.

Sollte das Gericht tatsächlich Lindt Recht geben, so sieht Hauswirth Schwarz für alle anderen Goldhasen-Hersteller auf dem Weltmarkt: „Kleine Hersteller könnten dann nicht einmal mehr Hasen in Orange mit blauen Punkten herstellen, es sei denn, sie laufen auf den Händen oder aber auf Rollschuhen“.

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