Streitfall Gedenken
Bagger räumen Mahnmal am Checkpoint Charlie weg

Ein Stück Geschichte des Kalten Kriegs wird entsorgt: Wenn Bagger das umstrittene Berliner Mauermahnmal wegräumen, gehen verstörende Bilder um die Welt: Ehemalige DDR-Häftlinge ketten sich an die Kreuze, die am ehemaligen Checkpoint Charlie an die Mauertoten erinnern.

HB BERLIN. Die Hintergründe der Räumung sind jedoch weitaus komplizierter. Im Kern geht es darum, dass in Berlins Mitte immer noch ein markanter Ort fehlt, an dem die Erinnerung an die Mauer wach gehalten wird.

Was am Dienstag weicht, ist für Kritiker mehr ein Mauer-Disneyland: Die mehr als 1000 Holzkreuze und das nachgebaute Mauerstück hat die Leiterin des privaten Mauermuseums, Alexandra Hildebrandt, im Oktober dort aufstellen lassen. Der Nachbau folgt nicht dem historischen Verlauf, und Kreuze hat es am ehemaligen Ost-West-Übergang der Alliierten auch nie gegeben. Doch Touristen lieben diesen Ort. Sie wollen ein Stück Mauer sehen und die Atmosphäre einer geteilten Stadt erspüren.

Bei einer Räumung befürchtet Berlins Tourismuschef Hanns Peter Nerger einen schweren Imageschaden. Kritiker wie der DDR-Bürgerrechtler Wolfgang Templin sprechen hingegen von schwer erträglicher Trivialisierung des Gedenkens. Der Checkpoint Charlie sei als bedeutungsvoller Geschichtsort zu einer Hülse geworden, die nun medienwirksam gefüllt werde, urteilte Gabriele Camphausen vom Verein Berliner Mauer-Gedenkstätte und Dokumentationszentrum.

Das Zentrum an der Bernauer Straße ist sozusagen die seriöse Konkurrenz des privaten Mauermahnmals und - Museums. Es bietet historisch-politische Hintergründe zur Mauerzeit von 1961 bis 1989. Und vor der Tür ist noch ein Stück Original-Grenzstreifen zu sehen. Doch die Gedenkstätte hat einen Nachteil: Sie liegt jenseits aller Touristenpfade.

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