Stromausfälle in Westeuropa
Luxuskreuzer musste umkehren

Noch vor seiner Schiffstaufe Ende November in Southampton hat der Luxuskreuzer „Norwegian Pearl“ in halb Europa für Schlagzeilen gesorgt. Die Abschaltung einer Höchstspannungsleitung über der Ems im niedersächsischen Kreis Leer für die Überführung des Schiffes ist nach Angaben des Energieversorgers Eon vermutlich ein Grund für die Stromausfälle am Samstagabend in Westeuropa gewesen.

HB PAPENBURG. Die Überfahrt des Luxuskreuzers aus der Papenburger Meyer Werft fiel ins Wasser, da Eon die Leitung wegen extremer Stromschwankungen später nicht erneut abschalten konnte.

Kapitän Thomas Teitge war gegen 22.00 Uhr mit seiner Crew von der Meyer Werft aus mit der „Norwegian Pearl“ gestartet. Der Luxuskreuzer ist 294 Meter lang und 32 Meter breit. „Es ist eine besondere Herausforderung, so ein riesiges Schiff durch die Ems zu manövrieren“, sagte Teitge. An der Dockschleuse in Papenburg kam dann die böse Überraschung: 45 Minuten lang wartete er vergeblich auf Grünes Licht für die Weiterfahrt und kehrte um kurz vor 23.00 Uhr mit dem Schiff wieder um. „Es wäre für das Schiff zu riskant gewesen, unter einer nicht abgeschalteten Hochspannungsleitung zu fahren“, sagte Werft-Sprecher Peter Hackmann.

Frühestens am Montagnachmittag könnte die Überführung des Luxuskreuzers ins niederländische Eemshaven erneut starten. „Wir sind sehr enttäuscht“, sagte Hackmann. Die Rahmenbedingungen für die Überfahrt seien perfekt gewesen. „Der Wasserpegel und die Wetterlage waren gut - und das Team war glänzend auf das Manöver vorbereitet.“

Mill. Westeuropäer waren am Samstagabend ohne Strom. Auch der Zugverkehr wurde teilweise lahm gelegt. Die Höchstspannungsleitung im Kreis Leer sei eine halbe Stunde vor dem Stromausfall abgeschaltet worden. „Hier kann es möglicherweise einen Zusammenhang geben“, sagte Eon-Netz-Sprecher Christian Schneller am Sonntag gegenüber dpa. „Es erklärt den Vorgang aber nicht. Es muss noch andere Ursachen geben.“

Die Verantwortlichen der Meyer Werft können sich nicht vorstellen, dass die Abschaltung der Höchstspannungsleitung im Kreis Leer ein wesentlicher Grund für die Stromausfälle gewesen sein soll. „Seit 15 Jahren führen wir zwei Mal jährlich diese Überführungen durch - und noch nie gab es einen Stromausfall“, sagte Hackmann.

Unter Zeitdruck gerät die Meyer Werft trotz der verzögerten Überführung nach eigenen Angaben nicht. Denn erst am 28. November soll die „Norwegian Pearl“ an die in Miami ansässige Reederei Norwegian Cruise Line geliefert werden. „Bis dahin haben wir noch reichlich Zeit“, sagte Hackmann. Zeit, um nach der Ankunft in Eemshaven mit dem Schiff mindestens zwei Probefahrten zu starten.

22 Monate lang haben rund 12 000 Personen an dem rund 400 Mill. Euro teuren Schiff gearbeitet. Mit seinen 1197 Kabinen bietet der Luxuskreuzer Platz für 2400 Passagiere. Die erste Kreuzfahrt soll am 2. Dezember von Dover nach Miami führen. Zu den Highlights an Bord gehören ein Theater mit 1043 Sitzplätzen und eine Bowlingbahn.

Bevor die „Norwegian Pearl“ die ersten Kreuzfahrtgäste aufnimmt, wird der Grund für die Stromausfälle in Westeuropa geklärt sein. Und wenn Eon die Höchstspannungsleitung im Kreis Leer an diesem Montag abschaltet, wird Kapitän Thomas Teitge mit seiner Crew am Nachmittag erneut in Richtung Nordsee starten können.

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