Stromausfall in Westeuropa
Kurz nach zehn gingen die Lichter aus

Millionen Menschen in Westeuropa haben am späten Samstagabend plötzlich im Dunkeln gesessen. Eine Panne im deutschen Stromnetz führte zu einer Kette von Ausfällen, die von Deutschland bis nach Spanien und Italien reichte. Kurz nach 22 Uhr gingen in Teilen des Kontinents die Lichter aus.

HB HAMBURG. Allein in Frankreich hatten etwa fünf Millionen Menschen nach Medienberichten kurzzeitig keinen Strom. Die Ausfälle dauerten meist nicht länger als eine Stunde, legten aber in Deutschland und Belgien den Zugverkehr streckenweise lahm. Hier zu Lande waren etliche Haushalte vor allem in Nordrhein- Westfalen, aber auch in Bayern und Hessen betroffen. Über Schäden wurde zunächst nichts bekannt. Dank der späten Stunde am Samstag blieb ein Verkehrschaos aus.

Die genaue Ursache für den großflächigen Stromausfall war bis zum Sonntagmittag unklar. Belgische und französische Netzbetreiber machten eine Panne im deutschen Stromnetz verantwortlich. „Um 21.30 Uhr wurde dort eine Hochspannungsleitung von 400 000 Volt ausgeschaltet, um dringende Reparaturarbeiten auszuführen“, sagte Erik De Leye, Sprecher des belgischen Netzbetreibers Elia am Sonntag. „Um 22.10 Uhr geriet dadurch eine andere Hochspannungsleitung unter Überlast mit einem Dominoeffekt für die umliegenden Länder.“ Ähnlich äußerte sich auch das Vorstandsmitglied des französischen Zulieferers RTE, Pierre Bornard. Nach seinen Worten ist Europa nur knapp einem völligen Blackout entgangen.

„Wir wissen immer noch nicht genau, woran es gelegen hat“, sagte eine Sprecherin des deutschen Stromversorgers Eon am Sonntag der dpa. Die Eon-Techniker analysierten die Panne noch. „Es ist in gewisser Weise ohne Grund passiert“, erläuterte die Sprecherin. Die endgültige Klärung des Stromausfalles werde Tage, wenn nicht Wochen dauern. Das Unternehmen werde aber noch an diesem Sonntag eine Erklärung abgeben.

Von dem Stromausfall waren laut der Bahn bundesweit mehr als 100 Züge mit mehr als 1 000 Fahrgästen betroffen. Die größten Probleme habe es in der Region Berlin-Brandenburg sowie in Hessen und Nordrhein-Westfalen gegeben. „Die Auswirkungen waren aber in ganz Deutschland deutlich zu spüren“, sagte Bahn-Sprecher Achim Strauß in Berlin. In den betroffenen Nahverkehrszügen mussten die Fahrgäste etwa 30 Minuten Verspätung in Kauf nehmen, bei einigen Fernverkehrszügen waren es sogar bis zu zwei Stunden. „Wir hatten Glück im Unglück, weil der Samstagabend bei der Bahn der verkehrsschwächste Tag der Woche ist“, sagte Strauß.

In Niedersachsen wurde die Überführung des Kreuzfahrtschiffs „Norwegian Pearl“ auf der Ems zunächst abgebrochen und dann komplett abgesagt, weil Eon eine Hochspannungsleitung über der Ems bei Weener nicht abschalten konnte. „Es wäre für das Schiff zu riskant gewesen, unter einer nicht abgeschalteten Hochspannungsleitung zu fahren“, sagte Werft-Sprecher Peter Hackmann.

In Frankreich traf der Stromausfall vor allem den Norden und auch mehrere Stadtteile der Hauptstadt Paris. In Belgien wurde der Zugverkehr vor allem rund um Antwerpen zum Erliegen gebracht. Sehr viele Fahrgäste seien zu dem Zeitpunkt aber nicht unterwegs gewesen. „Zum Glück ist der Strom nicht an einem Freitagabend um 17 Uhr ausgefallen“, sagte ein SNCB-Sprecher.

In Italien waren mehr als hunderttausend Menschen betroffen, vor allem in Turin und Umgebung. Aber auch im Süden des Landes waren die Folgen zu spüren. In Spanien kam es in einigen Teilen zu Stromausfällen, die jedoch nur kurze Zeit dauerten. Dort waren einzelne Kraftwerke automatisch abgeschaltet worden, um sie vor Leistungsschwankungen zu schützen. Auch die Verbindung von Spanien nach Marokko sei zum Schutz der Stromanlagen in dem nordafrikanischen Land abgestellt worden.

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