Stromnetzentgelte
Energiebranche spürt Gegenwind

Deutschlands Versorger warten gespannt auf April 2006: Dann wird die neue Bundesnetzagentur erstmals über die von den Netzbetreibern eingereichten Anträge für Stromnetzentgelte entscheiden. Für die Energiewirtschaft kommt das einer Zeitenwende gleich.

HB DÜSSELDORF. In den ersten Jahren der Liberalisierung konnten die Verbände der Strom- und Gasbranche sowie der Großkunden die Marktbedingungen noch selbst aushandeln. Künftig soll die Regulierungsbehörde für faire Verhältnisse sorgen.

Bis Ende Oktober mussten Eon, RWE und Co. bei der Bundesnetzagentur Anträge für die Entgelte stellen, die die Unternehmen Konkurrenten und Kunden für die Nutzung ihrer Stromnetze in Rechnung stellen. Die Behörde wird prüfen, ob sie, verglichen mit dem Branchenschnitt, angemessen sind. Das neue Genehmigungsverfahren gilt als ein wichtiger Schritt, um den schleppenden Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt anzukurbeln. In der Vergangenheit hatten sich neue Wettbewerber über die Höhe der Entgelte beklagt. Sie warfen den etablierten Konzernen vor, die Gebühren künstlich hoch zu halten, um ihren eigenen Vertrieb zu subventionieren und Konkurrenten aus dem Markt zu halten.

Dass durch die Entscheidung der Bundesnetzagentur die Strompreise spürbar gesenkt werden, ist aber zu bezweifeln. Die Netzentgelte sind zwar neben den Produktionskosten in den Kraftwerken sowie den staatlichen Abgaben Hauptbestandteil der Strompreise und machen 30 Prozent der Gesamtkosten aus. Eon und RWE haben auch bereits angekündigt, dass die Entgelte tendenziell sinken werden. Mit großen Einschnitten rechnet die Branche aber nicht.

Die Strom- und Gaspreise dürften deshalb auch im neuen Jahr für Ärger bei Haushalts- und Industriekunden sorgen. Beim Gaspreis ist keine Entspannung in Sicht, weil der Ölpreis sich weiter auf hohem Niveau befindet. Und der Gas- ist an den Ölpreis gekoppelt. Und im Stromgroßhandel sind die Notierungen im Terminmarkt zuletzt weiter geklettert.

Die Kritik an der Marktmacht der vier großen Versorger Eon, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg, die 80 Prozent der Kraftwerkskapazitäten kontrollieren, wird anhalten. Die Konzerne werden auch 2006 Druck verspüren.

Im Januar fällt in Hamburg ein richtungsweisendes Urteil zur Kalkulation der Gaspreise für Privathaushalte. Rund 50 Verbraucher haben gegen den Regionalversorger Eon Hanse geklagt. Das Bundeskartellamt will die Lieferverträge aufbrechen, mit denen Gasimporteure wie Eon Ruhrgas die Stadtwerke langfristig an sich binden und so Konkurrenten aus dem Markt halten. Und schließlich hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die steigenden Energiepreise zur Chefsache erklärt. Sie plant schon bald einen nationalen Energiegipfel, um "eine verlässliche Versorgung zu akzeptablen Preisen" sicherzustellen.

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