Studie der Universität Göttingen
Kreative werden schnell gemobbt

Neugierige, kreative Menschen mit eigener Meinung werden in der Arbeitswelt leichter zu Mobbingopfern als ihre zurückhaltenderen Kollegen. Das haben Psychologen der Universität Göttingen in einer Studie mit mehr als 300 Teilnehmern herausgefunden.

HB/dpa GÖTTINGEN. Das Ergebnis der Untersuchung habe ihn selbst überrascht, sagte Professor Thomas Rammsayer am Mittwoch. Bisher seien Experten davon ausgegangen, dass vor allem psychisch weniger stabile, sensible Menschen der dauerhaften Boshaftigkeit der Kollegen ausgesetzt sind. Die eigene Meinung „offener“ Menschen rufe aber offensichtlich ebenfalls Mobbing hervor.

Für ihre Untersuchung haben die Göttinger Psychologen zunächst nach einem speziellen Kriterienkatalog untersucht, welche der ihnen von Betriebsräten, Selbsthilfegruppen und Sozialarbeitern benannten Menschen tatsächlich Mobbingopfer sind. Bei der Befragung dieser Gruppe habe sich dann heraus gestellt, dass große Offenheit, Neugier oder kritisches Hinterfragen ein Anlass für die Repressalien am Arbeitsplatz sein können.

„Was in so genannten kreativen Berufen nützlich oder sogar Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten ist, wird in anderen Bereichen als lästig und störend empfunden“, sagte Rammsayer. Wenn an einem Arbeitsplatz eher Routineaufgaben zu erledigen sind, reagierten andere Mitarbeiter leicht gereizt auf Kollegen, die ständig neue Vorschläge anbrächten. „Sie empfinden dies als Störung der gewohnten Abläufe.“

Auch Vorgesetzte kämen mit wiederholten interessierten Nachfragen, kritischen Anregungen oder Ideen für Änderungen oftmals nicht zurecht, sagt der Göttinger Psychologe. Die Folge könne dann sein, dass der betreffende Mitarbeiter von Kollegen und Vorgesetzten ausgegrenzt und gemobbt werde.

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