Studie
Forscher: Jugendliche seltener betrunken

Eine neue Gesundheitsstudie aus Bielefeld widerspricht der aktuellen Alkoholdebatte: Demnach hat die Zahl der Jugendlichen mit Alkoholrauscherfahrungen seit 2002 deutlich abgenommen. Dennoch zeigt die Studie auch eine Besorgnis erregende Entwicklung.

HB BIELEFELD. Ungeachtet des Todes eines 16 Jahre alten „Koma- Trinkers“ sinkt nach Meinung des Jugendforschers Klaus Hurrelmann der Anteil der Jugendlichen mit Alkoholrauscherfahrungen. „Die Gruppe wird wieder kleiner, der Höhepunkt ist überschritten“, sagte der Bielefelder Wissenschaftler im Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur (dpa). Am Donnerstag war in Berlin ein 16-Jähriger gestorben, der nach einem Alkoholexzess einen Monat lang im Koma gelegen hatte.

Nach einer von der Weltgesundheitsorganisation unterstützten Studie der Bielefelder Gesundheitswissenschaftler ist der Anteil der 15-jährigen Jungen, die mindestens zwei Mal betrunken waren, in Nordrhein-Westfalen zwischen 2002 und 2006 von 43 auf 31 Prozent gesunken. Bei Mädchen gab es einen Rückgang von 35 auf 28 Prozent. Einen Rückgang habe es auch bei den 13-Jährigen gegeben, nämlich von einem Anteil von jeweils zehn Prozent auf sieben Prozent bei Jungen und sechs Prozent bei Mädchen. Für die Studie wurden 6 500 Schüler in Nordrhein-Westfalen befragt.

Allerdings gebe es eine „Ausreißergruppe“, die etwa zehn Prozent der Jugendlichen mit Trinkerfahrungen ausmache, sagte Hurrelmann weiter. „Das ist eine Gruppe von Vieltrinkern, die keine Grenze nach oben im Konsum kennt.“ Diese Jugendlichen nutzten Alkohol „wie Ecstasy, um der Realität zu entrinnen und sich auszuklinken“. In der Regel stammten diese Jugendlichen aus sozial höheren Schichten, hätten eine gute Schulbildung und einen gut situierten Hintergrund. „Das ist bemerkenswert und überraschend“, sagte er. „Bei Zigaretten gibt es ein gegenteiliges Phänomen, da sind es ganz stark Jugendliche, denen es schulisch schlecht geht und die aus niedrigen sozialen Schichten stammen.“

„Alkohol ist in dieser Gruppe eine Droge, die zur Ohnmachtsherbeiführung konsumiert wird“, erklärte Hurrelmann. Ziel sei es vermutlich, starkem Leistungsdruck zu entrinnen. „Ein junger Mann, der sich unter Leistungsdruck fühlt, will zeigen, was er draufhat.“

Hurrelmann kritisierte zudem die Getränkeindustrie scharf. Die Hersteller gingen mit Produkten auf den Markt, die eindeutig auf junge Menschen zielten, sagte er. „Billigangebote macht man nur, um Kundschaft zu gewinnen. Es ist eine ziemlich rabiate Methode, erst einmal Abhängigkeiten zu schaffen.“

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