Studie von Unicef
Bald 20 Millionen Aids-Waisen im südlichen Afrika

In Afrika wird sich die Zahl der Aids-Waisen nach neuen Schätzungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) südlich der Sahara bis 2010 auf rund 20 Millionen nahezu verdoppeln. Der Studie von Unicef zufolge vollzieht sich in der Region eine Krise gigantischen Ausmaßes.

HB BERLIN. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul warnte bei der Vorlage der Studie „Afrikas verwaiste Generationen“ am Mittwoch in Berlin: „Die Tragödie der Aids-Waisen bedroht zusehends die wirtschaftliche und soziale Stabilität der Region“. Elf Millionen Kinder haben dort nach dem Bericht bereits heute ein oder zwei Elternteile durch die tödliche Immunschwächekrankheit verloren.

Etwa die Hälfte von ihnen sei unter zehn Jahre alt. Die traditionelle Solidargemeinschaft aus Verwandtschaft und Dorfgemeinschaft könne nicht mehr für diese Kinder sorgen. Zwei von drei Waisenkindern gehen nach Angaben von Unicef nicht mehr zur Schule, über die Hälfte der Waisen in Mosambik sind chronisch unterernährt. Viele der Aids-Waisen landen in gefährlichen und ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, arbeiten als Hausmädchen, in Minen und Steinbrüchen oder als Prostituierte. In Sambia sind fast drei Viertel aller jugendlichen Prostituierten Waisen.

Die Situation wird sich laut Unicef noch dramatisch verschärfen: Selbst in Ländern wie Uganda, wo sich ein Absinken der Neuinfektionen abzeichnet, wird die Anzahl der Aids-Waisen weiter steigen, weil die Krankheit oft erst Jahre später ausbricht und zum Tod führt. Wichtig sei eine medizinische Versorgung der Erkrankten. „Wir müssen sicherstellen, dass Waisenkinder weiter zu Schule gehen und sie vor Missbrauch und Ausbeutung schützen“, sagte Unicef-Direktorin Carol Bellamy.

Auch finanzielle Unterstützung von Pflegefamilien, eine Stärkung der Dorfgemeinschaften und die Sicherung des Schulbesuchs könnten wirksame Hilfsstrategien sein. Es müsse sichergestellt werden, dass die Kinder bei ihren Familien bleiben könnten. „Die Zukunft Afrikas hängt davon ab“, sagte Bellamy.

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