Suche nach Überlebenden
163 Tote bei Fährunglück vor Sansibar

Vor dem Urlaubsparadies Sansibar ist die Fähre „MV Spice Islander“ gesunken. Dabei sind mindestens 163 Menschen ums Leben gekommen. Die Rettungsteams suchen Überlebende - allerdings fehlt es an Ausrüstung.
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Johannesburg/DaressalamBei einem Fährunglück vor der Küste Tansanias sind mindestens 163 Menschen ums Leben gekommen. Das überladene Schiff mit rund 600 Menschen an Bord sank in der Nacht zum Samstag zwischen zwei Inseln des Archipels Sansibar. Bis Samstagmittag wurden nach Behördenangaben 163 Leichen geborgen, 325 Insassen konnten lebend gerettet werden, mehr als 100 Passagiere galten weiter als vermisst. 

Nach Angaben der Behörden von Sansibar war die überladene Fähre in der Nacht auf der Strecke zwischen zwei Inseln des bei Urlaubern beliebten Archipels im Indischen Ozean verunglückt. Marine und Polizei entsandten Rettungskräfte, diese kamen wegen ihrer unzureichenden Ausrüstung jedoch bei der Bergung nur langsam voran. Die Behörden von Sansibar baten laut Katastrophenschutzminister Mohammed Abud die Behörden der nahegelegenen Küstenstadt Daressalam um Beistand. Vor allem Taucher würden dringend gebraucht. 

Die Behörden richteten im Hafen von Stone Town, dem alten Teil der Hauptstadt Sansibar, ein Erste-Hilfe-Zentrum ein. Unter den dorthin gebrachten Überlebenden und Toten waren nach Angaben eines AFP-Korrespondenten vor Ort keine Ausländer - die malerischen Inseln Sansibars mit ihren weißen Sandstränden erzielen ihre Haupteinkünfte aus dem Tourismus. Die meisten Passagiere stammten laut den Behörden aus Sansibar. Unter ihnen waren zahlreiche Familien, die von ihrem Urlaub zum Ende des Ramadan auf der Hauptinsel Unguja nach Hause auf die rund 80 Kilometer entfernte Insel Pemba zurückkehrten. 

„Es war furchtbar, die Menschen schrien und kreischten in der Dunkelheit“, berichtete die siebenjährige Überlebende Aisha Mohammed. „Ich kann meine Mami nicht finden, ich habe sie im Wasser verloren“, sagte sie verzweifelt, nachdem sie von einem Rettungsboot aus dem Meer gezogen wurde. 

Andere Überlebende warfen den Hafen- und Fährbetreibern vor, das Schiff hoffnungslos überladen zu haben. „Noch bevor die Fähre auslief, schrien wir dem Kapitän und den Leuten im Hafen zu, dass sie zu voll sei“, berichtete der 50-jährige Überlebende Said Amur. Vier Stunden später kenterte die Fähre auf dem Weg nach Pemba. „Das war kein Unfall, Schuld haben diejenigen, die das Schiff nicht stoppten - als selbst schon die Passagiere begriffen, dass es nicht sicher war.“ Die Mannschaft habe alle noch zu beruhigen versucht, als die ersten Passagiere bereits nach Rettungswesten riefen, berichtete Amur weiter: „Als es dann wirklich schlimm wurde, war es für viele Passagiere zu spät.“ Wie viele Menschen genau an Bord der Unglücksfähre waren, stand zunächst nicht fest. Passagierlisten werden in der Region in der Regel nicht oder nur unzureichend geführt. Auch nach Angaben des für Infrastruktur und Kommunikation zuständigen Regierungsvertreters Issa Gavu hatte das Schiff jedoch weitaus mehr Passagiere an Bord als zugelassen. Zudem habe es riesige Mengen an Reis und anderen Gütern geladen. 

Sansibars Präsident Ali Mohammed Schin sprach von einer nationalen Tragödie. Seine Regierung werde „alles tun, um die Opfer dieses schrecklichen Vorfalls zu unterstützen“, versprach er. 

Tansanische Fähren und Frachtschiffe sind für ihre Sicherheitsmängel bekannt. Immer wieder brachen auf ihnen in den vergangenen Jahren Brände aus. Im Mai 2009 kenterte eine Fähre, dabei starben sechs Menschen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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