Suche nach Überlebenden
Auch Deutsche unter den Vermissten

Das Auswärtige Amt spricht von „einigen ungeklärten Fällen“: Nach der Havarie des italienischen Kreuzfahrtschiffes gibt es noch keine letzte Sicherheit darüber, ob alle deutschen Passagiere überlebt haben.
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Rom/BerlinNach dem Schiffsunglück in Italien gibt es nach Angaben des Auswärtigen Amtes noch keine abschließende Sicherheit über den Verbleib einiger deutscher Passagiere. Es gebe noch „einige ungeklärte Fälle“, sagte eine Sprecherin der Behörde am Sonntag in Berlin.

Dabei könne es sich unter anderem um Menschen handeln, die kein Telefon hätten oder nach dem Unglück verwirrt seien. Berichte, wonach noch zwei Deutsche vermisst werden, wollte die Sprecherin ausdrücklich nicht bestätigen. Auch machte sie keine Angaben dazu, ob Deutsche möglicherweise noch in dem Schiff sind.

Etwa zehn deutsche Passagiere seien verletzt worden. Der letzte sei am Sonntag aus dem Krankenhaus entlassen worden. Aus Datenschutzgründen könnten die genauen Passagierlisten nicht veröffentlicht werden.

Unterdessen haben Rettungskräfte an Bord des havarierten Kreuzfahrtschiffs einen dritten Überlebenden entdeckt. Die Retter hätten mit dem eingeschlossenen Mann gesprochen, ihn aber noch nicht geborgen, sagte Feuerwehrsprecher Luca Cari am Sonntag. Der Mann sei Italiener und gehöre zum Kabinenpersonal der „Costa Concordia“. Möglicherweise habe er ein gebrochenes Bein, sagte Cari.

Bereits am späten Samstagabend wurde ein südkoreanisches Paar aus dem auf der Seite liegenden Schiff gerettet. Am späten Samstagabend hätten Feuerwehrleute, die das Schiff absuchten, Rufe gehört, sagte Marcello Fertitta von der Küstenwache. „Eine von einer männlichen Stimme, die andere eine weibliche Stimme“. Das südkoreanische Paar auf Hochzeitsreise war in dem Teil des Schiffs eingeschlossen, der noch oberhalb der Wasserlinie lag. Sie seien in guter Verfassung befreit worden, sagte Feuerwehrsprecher Vincenzo Bennardo nach ihrer Rettung.

Taucher der Polizei und weitere Rettungskräfte waren am Sonntag weiter auf der Suche nach Überlebenden. Die Taucher sollten ins Innere des Schiffs vordringen für den Fall, dass dort noch Menschen eingeschlossen sind, teilte die Küstenwache mit.

Drei Menschen kamen nach bisherigem Kenntnisstand ums Leben, nachdem das Schiff am Freitagabend vor der toskanischen Insel Giglio auf einen Felsen gelaufen, in Schieflage geraten und schließlich auf die Seite gekippt war. Der Verbleib von etwa 40 Menschen war noch ungeklärt.

Szenen wie auf der „Titanic“ sollen sich nach der Havarie auf der „Costa Concordia“ abgespielt haben. Viele der über 3.000 Passagiere beklagten, dass die Besatzung ihnen keine ausreichenden Anweisungen zur Evakuierung des Schiffs gegeben habe. Außerdem werfen sie der Crew vor, die Aussetzung der Rettungsboote so lange verzögert zu haben, bis sie wegen der Schräglage des Schiffs nicht mehr ausgebracht werden konnten. Mehrere Passagiere berichteten, Besatzungsmitglieder hätten den Passagieren 45 Minuten lang erzählt, der Lichtausfall sei durch ein einfaches technisches Problem verursacht worden.

Weiter berichteten die Passagiere, dass seit dem Beginn der Kreuzfahrt am 7. Januar bis zu dem Unglück keine Evakuierungsübung abgehalten worden sei. Für Samstag war eine solche Übung geplant.

Der Kapitän der „Costa Concordia“ wurde zum Verhör festgenommen, berichtete das öffentlich-rechtliche italienische Fernsehen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt demnach wegen fahrlässiger Tötung, Verursachung eines Schiffbruchs und wegen des Verlassens des Schiffs vor anderen gegen ihn. Der italienischen Nachrichtenagentur ANSA sagte Staatsanwalt Francesco Verusio, der Kapitän habe eine Route gewählt, die zu nah an der Küste verlaufen sei.

Frankreich bestätigte unterdessen, dass zwei der Toten französische Staatsbürger waren. Ein peruanischer Diplomat identifizierte das dritte Todesopfer als ein 49-jähriges, peruanisches Crewmitglied. Mehr als 30 Personen wurden verletzt, zwei davon schwer.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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