Suche nach Ursprung des Erregers
Cholera breitet sich in Haiti weiter aus

Die Cholera in Haiti breitet sich weiter aus. Die Ausbreitung der Seuche hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Jedoch stehen die Chancen gut, dass eine größere Katastrophe vermieden werden kann, wie die zuständige WHO-Direktorin Claire Chaignat erklärte.
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HB PORT-AU-PRINCE/GENF/WASHINGTON. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Haiti stieg die Zahl der Cholera-Toten bis Mittwochabend auf 304. Mehr als 4770 Menschen seien infiziert. Es wird auch erwogen, die Präsidentenwahlen in dem Krisenland zu verschieben.

Der stellvertretende Direktor der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (OPS), Jon Andrus, sprach sich dafür aus, die für den 28. November geplanten Wahlen wegen der Cholera zu verschieben. Auch Haitis Präsident René Preval hatte zu Beginn der Woche erklärt, man müsse angesichts der Lage eine Verschiebung erwägen.

Nach Angaben des Uno-Büros für Humanitäre Angelegenheiten (OCHA) stammen 96 Prozent der Cholera-Toten und Infizierten aus dem Department Artibonite, wo die Krankheit vergangene Woche ausgebrochen war. Bürgermeister im Süden Haitis kündigten an, keine Lebensmittel und Agrarprodukte aus Artibonite in ihre Städte transportieren zu lassen.

Die gesamte Aufmerksamkeit der internationalen Helfer und der Vereinten Nationen richtet sich derzeit auf die Eindämmung der Seuche. Doch viele Haitianer fragen bereits nach dem Ursprung des Erregers. Die am 20. Oktober erstmals gemeldeten Cholerainfektionen waren die ersten auf der Insel seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Dass einer der Stützpunkte ihrer Truppen der Ausgangspunkt der Epidemie sein könnte, stritten die Uno vehement ab. Zivile Techniker hätten am Freitag bereits Proben in dem Lager entnommen, und darin seien keine Cholera-Erreger gefunden worden, sagte ein Uno-sprecher. Der Befehlshaber des Stützpunkts habe außerdem zusätzliche Tests angeordnet. Außerdem sei kein Mitglied des Anfang Oktober eingerückten nepalesischen Bataillons infiziert, sagte er.

Politiker vor Ort halten dennoch den nepalesischen Militärposten für den Ursprungsort des Erregers. Das Camp liegt direkt oberhalb des Flusses Meille, der in den Fluss Artibonite mündet. Der Artibonite gilt als Hauptinfektionsquelle. Die meisten Ansteckungen wurden in den ländlichen Gebieten entlang des Flusses verzeichnet, hauptsächlich flussabwärts der Einmündung des Meille. Das nepalesische Camp "liegt direkt dort, wo die Krankheit ihren Anfang nahm", sagte Laguerre Lochard, Bürgermeister des unterhalb des Stützpunkts gelegenen Orts Mirebalais.

Unterdessen öffnete die Dominikanische Republik wieder die Grenzübergänge nach Haiti. Sie waren am Montag wegen der Cholera geschlossen worden. An allen vier Grenzübergängen zwischen den beiden Staaten auf der Insel Hispaniola werden aber nach Angaben des Senders Radio Metropole sanitäre Kontrollen durchgeführt.

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