Südjapan
Mindestens 32 Tote und 1000 Verletzte nach Erdbeben

Binnen nur 24 Stunden suchen zwei schwere Erdbeben eine Region im Süden Japans heim. Mindestens 23 Menschen sterben, viele sind in beschädigten Häusern eingeschlossen. Medien berichten von einem Vulkanausbruch.

TokioBei einem neuerlichen Erdbeben sind im Süden Japans nach amtlichen Angaben mindestens 32 Menschen umgekommen. Über 1000 Menschen wurden bei dem Beben am Samstagmorgen in der Präfektur Kumamoto auf der Insel Kyushu verletzt. 190 von ihnen seien schwer verletzt, teilte die Regierung mit. In einem Wettlauf gegen die Zeit suchten Rettungsmannschaften unter den Trümmern eingestürzter Häuser nach Dutzenden Vermissten. Verängstigte Menschen saßen in Decken gehüllt vor ihren Häusern, während andere in den Reisfeldern an den Stadträndern kampierten. Rund 100.000 Haushalte sind ohne Strom und 422.000 ohne Wasser. Bis Sonntag sollen bis zu 20.000 Soldaten in Kumamoto ins Katastrophengebiet entsandt werden, dazu noch Sanitäter und Feuerwehrmänner. Schon am Donnerstag war die Region von einem Erdstoß erschüttert worden. Dabei starben neun Menschen. Bis Samstagabend wurden 230 Nachbeben registriert. Experten der US-Erdbebenwarte USGS warnten vor weiteren.

Das Beben in der Nacht zum am Samstag hatte der japanischen meteorologischen Agentur zufolge eine Stärke von 7,3 und ereignete sich ebenfalls nahe der Stadt Kumamoto. Die Erdbeben-Skalen sind nach oben offen, Beben über 10 wurden allerdings noch nie gemessen. Japan war 2011 von einem Beben der Stärke 9,0 erschüttert worden, das einen Tsunami und die Atomkatastrophe von Fukushima nach sich zog. Damals starben fast 20.000 Menschen.

"Ich bemerkte zunächst eine starke Erschütterung und wurde dann hin und her geworfen wie in einer Waschmaschine", berichtete ein Student, der mit 1000 weiteren Menschen in einer zur Notunterkunft umfunktionierten Turnhalle untergebracht wurde. "Alle Lichter gingen aus, und ich hörte einen lautes Geräusch. Eine Menge Gas strömt aus. Zwar gab es bislang kein Feuer, aber das ist schon eine Sorge", sagte er.

Auf Fernsehbildern waren allerdings Brände ebenso zu sehen wie unzählige eingestürzte Häuser und beschädigte Straßen und Brücken. Ein Tunnel stürzte ein. Die Menschen in der Nähe eines Staudammes wurden nach einem Bericht des Senders NHK aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen, da ein Bersten des Dammes befürchtet wurde. Sorge bereitete den Helfern die Regenfälle, durch die Erdrutsche ausgelöst werden könnten.

Laut NHK kam es bei dem Vulkan Aso zu einem kleinen Ausbruch. Rauch stieg etwa 100 Meter hoch auf. Die 400-Jahre alte Burg von Kumamoto wurde schwer beschädigt, die Mauern brachen. Die drei Atomkraftwerke in der Umgebung meldeten keine Störungen. Eine Tsunami-Warnung wurde wieder aufgehoben.

Ministerpräsident Shinzo Abe sagte schnelle Hilfe zu. Es seien zunehmende Winde und noch stärkerer Regen vorhergesagt. Die Rettungsarbeiten würden daher in der Nacht extrem schwierig werden, "es ist ein Wettlauf gegen die Zeit", sagte er bei einer Kabinettssitzung. Es seien großräumige Schäden zu befürchten.

Zahlreiche Fabriken großer internationaler Konzerne wie Sony, Honda, Toyota, Nissan stellten vorübergehend ihre Produktion ein, um die Fabriken auf Schäden zu untersuchen. Die wirtschaftlichen Folgen der Beben sind nach Aussage von Notenbankchef Haruhiko Kuroda noch nicht absehbar.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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