Sumatra
Vor dem Scheitelpunkt der Welle

Der tödliche Tsunami an Weihnachten 2004 hat Sumatra ein beispielloses Engagement der Staatengemeinschaft beschert. Doch in zwei Jahren ziehen die Helfer ab. Dann muss sich die Provinz in einer schwierigen Normalität zurechtfinden.

BANDA ACEH. Kuntoro Mangkusubroto hat diesen Vortrag schon oft gehalten. In perfektem Englisch vermittelt der Chef der indonesischen Wiederaufbaubehörde BRR den ausländischen Gästen ein Bild von der Lage in Aceh. Der 58-jährige Professor listet die Schäden auf, wirft Säulendiagramme zu den Hilfszusagen an die Wand und beschreibt routiniert den Stand des Neuanfangs. Nur einmal stockt er. „Wie heißt das englische Wort für ‚Banjir’?“ wendet er sich Hilfe suchend an einen Assistenten.

Der Begriff, der ihm nicht über die Lippen will, lautet „Flut“.

Zwei Jahre nachdem die baumhohe Tsunami-Welle einen 800 Kilometer langen Küstenstreifen im Norden Sumatras unter sich begraben hat, wird dort über das Ereignis nur noch wenig geredet. Die Spuren der Verwüstung sind weitgehend verschwunden. Bei einer Fahrt durch die schwül-heiße Provinzhauptstadt Banda Aceh wähnt man sich in einer Boomregion. Überall wird gegraben, planiert und gemauert.

Doch Experten warnen schon vor einem Kippen der Wirtschaftswelle. In zwei Jahren läuft die ausländische Hilfe aus. Dann muss sich die Provinz in einer schwierigen Normalität zurechtfinden. Und: Nicht jedes Projekt ist ein Erfolg.

„This is the American road“, erläutert der Begleiter, um eilig aus dem seitlichen Wagenfenster zu weisen. Dort reihen sich weiße Ziegelhäuser aneinander: „This is the Turkish settlement.“ Gerade hat in dem abgeschiedenen Ort ein klotziges Vier-Sterne-Hotel mit 160 Betten eröffnet, und auf den Straßen stauen sich neuerdings vor Garküchen, Möbelläden und Werkstätten die Autos.

Keine zweite Region in Südostasien wurde von dem Seebeben am 26. Dezember 2004 so brutal getroffen wie Aceh. 160 000 Menschen kamen ums Leben. Eine halbe Million verlor ihr Zuhause. Die Wirtschaftsleistung der Provinz wurde über Nacht halbiert. Doch auch politisch entfachte die Katastrophe unglaubliche Kräfte: Nach 30 Jahren Bürgerkrieg schlossen die Rebellen der „Bewegung freies Aceh“ (Gam) und die Zentralregierung in Jakarta ein Friedensabkommen. Insgesamt 7,1 Milliarden Dollar aus 35 Ländern stehen nun für den Wiederaufbau zur Verfügung.

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