Supermarkt geplündert
Volkssport Flash Mob-Raubzug

Lange als witzige Aktionen spinnerter Webfreaks freundlich belächelt, wandeln sich Flash Mobs mehr und mehr zu einer gefährlichen Waffe. Der jüngste Trend aus den USA: organisierte Massendiebstähle.
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San FranciscoSie kamen aus dem Nichts, und genau so schnell waren sie auch wieder verschwunden. Rund 30 Jugendliche haben am Freitagmorgen vergangener Woche gegen zwei Uhr fast gleichzeitig einen Supermarkt in Germantown betreten und sich in aller Ruhe mit allem versorgt, was man für einen schönen Partyabend braucht. Allerdings ohne zu bezahlen.

Der hilflose Angestellte musste entsetzt zusehen, wie der Mob die Waren aus den Regalen riss und wieder in der Dunkelheit verschwand, bevor die per Panikknopf alarmierte Polizei am Tatort eintraf. Der Angestellte selbst wurde nicht angegriffen und auch die Kasse bleib unberührt.

Der Polizeichef von Germantown im Bundesstaat Maryland geht davon aus, dass es sich um einen per Internet organisierten Überfall handelt, bei dem sich die Teilnehmer zu einer bestimmten Urzeit blitzartig an einem bestimmten Ort einfinden, ihr Vorhaben ausführen und wieder verschwinden.

Anfangs waren es eher spaßige Events wie Massentanzen im Bahnhof oder spontane Partys in einem Zug zwischen zwei U-Bahnstationen. Längst aber haben auch militante Gruppen den zweifelhaften Nutzen der schnellen Verabredungen erkannt. Bei den Krawallen in Großbritannien geht man davon aus, dass sich Gruppen von Plünderern über Messenger-Dienste wie dem Blackberry-Messenger oder per Twitteraufruf verabredet haben.

Mitte April hatte es einen Supermarkt in Las Vegas erwischt, die Täter waren hier so dreist, dass sie den gleichen Laden gleich zwei Mal hintereinander überfallen haben. In Tucson, Arizona, haben nach Polizeiangaben fast 100 Teenager bei einem nächtlichen Raubzug alles von Schokolade über Bier bis zu Kondomen aus einem Laden mitgehen lassen. In der Hauptstadt Washington wurde ein Nobelgeschäft mit teurer Herrenkleidung am helllichten Tage ausgeräumt. Der Wert der entwendeten Kleidung wird bei ungefähr 20000 Dollar angesetzt.

Die Polizei fürchtet mit der zunehmenden Selbstsicherheit der Banden auch eine zunehmende Radikalisierung, nachdem es erstmals auch zu Übergriffen auf Verkäufer kam und in einem anderen Fall der abziehende Mob nach einem Überfall auf eine Tankstelle ein paar Blocks weiter begann, auf Passanten einzuprügeln.

Die Polizei von Montgomery will jetzt ebenfalls das Internet und das Social Web für sich nutzen. Die Überwachungsvideos wurden ins Internet gestellt, um Hinweise aus der Bevölkerung zu bekommen. Praktisch keiner der Jugendlichen hatte sich auch nur die Mühe gemacht, sein Gesicht zu verbergen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • In einem Fall hatte eine Verkäuferin wohl tatsächlich versucht, die Türen zu verriegeln, ist aber von der Meute einfach weggeschoben worden. Die Polizei in den USA warnt Geschäftsinhaber auch davor, sich mit diesen Leuten physisch anzulegen. Viele dieser Geschäfte sind auch einfache normal gesicherte Läden in ansonsten ruhigen Gegenden. Das ist ja das Tückische an diesen Flash Mobs: sie tauchen an Orten auf, wo man sie eigentlich nicht erwarten würde.

  • und dann bist du mit den Typen allein im Laden hinter Gittern - na viel Spass !!

  • Diesem Treiben ist doch leicht Einhalt geboten: Per Knopfdruck die Tueren verriegeln oder ein Gitter herunterlassen bis die Polizei kommt.

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