Tätigkeitsberichts
Birthler-Behörde sieht keine Versäumnisse

Nach den Erkenntnissen über die Stasi-Vergangenheit des West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, der 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, hat die Stasi-Akten-Beauftragte Marianne Birthler den Vorwurf zurückgewiesen, ihre Behörde vernachlässige die Erforschung der Spionagetätigkeit des DDR-Geheimdienstes in Westdeutschland. Auch über eine mögliche Akte des Dutschke-Attentäters gab Birthler Auskunft.

HB BERLIN. „Die Tatsachen ergeben ein völlig anderes Bild“, sagte sie am Dienstag bei der Vorstellung des Tätigkeitsberichts ihrer Behörde für die vergangenen zwei Jahre in Berlin. Die Westarbeit der Stasi habe „schon immer einen hohen Stellenwert“ in der Forschungsarbeit ihrer Behörde gehabt und sei im Vergleich zu anderen Themenfeldern „wahrscheinlich am intensivsten bearbeitet worden“. Es gebe acht umfangreiche Publikationen dazu, allein in den vergangenen beiden Jahren seien 172 Forschungs- und Medienanträge bearbeitet worden, betonte Birthler.

Die Stasi-Akten-Behörde war zufällig auf siebzehn Aktenordner gestoßen, die den ehemaligen Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, der 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hat, als inoffiziellen Stasi-Mitarbeiter entlarven. Namhafte Wissenschaftler hatten daraufhin die Arbeit der Birthler-Behörde kritisiert und gefordert, die Forschungsarbeit an das Bundesarchiv zu delegieren.

Über den Dutschke-Attentäter Josef Bachmann liegen der Stasi-Akten-Behörde indes keine Unterlagen vor. „Es gibt zu Bachmann keine IM-Akte“, sagte Birthler am Dienstag bei der Vorstellung des Berichts. Es sei bereits gezielt nach Akten über Bachmann gesucht worden, weil entsprechende Forschungsaufträge vorlagen. Hinweise über eine inoffizielle Mitarbeit Bachmanns für die Stasi seien dabei nicht gefunden worden.

Der Sohn des 1968 angeschossenen und 1979 an den Spätfolgen des Attentats gestorbenen Studentenführers Rudi Dutschke, Marek Dutschke, hatte die Birthler-Behörde zuvor aufgerufen, Klarheit über Bachmann zu schaffen. Sein Vater habe vermutet, dass das DDR-Ministerium für Staatssicherheit hinter dem Anschlag auf ihn gesteckt habe, sagte Marek Dutschke laut „Bild“-Zeitung. Dies gehe aus einem Brief hervor, den Rudi Dutschke seiner Frau hinterlassen habe.

„Die DDR, so mein Vater, habe damals gefürchtet, dass der antiautoritäre Sozialismus, für den Rudi stand, auf den anderen Teil Deutschlands überschwappen könnte“, erklärte Marek Dutschke. „Ist es möglich, dass auch der Attentäter Josef Bachmann ein Stasi-Mann war?“

Auch der Sohn des 1977 von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, Michael Buback, verlangte entsprechende Nachforschungen in Bezug auf den Tod seines Vaters. „Ich habe schon als Junge gedacht, meinen Vater holt mal die Stasi“, sagte Buback der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. „Mein Vater hat sich sein Arbeitsleben lang mit Landesverrat und Spionage befasst. Wenn man ihm ans Leder wollte, dann deshalb.“

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