Tagebausee
Haus in See versunken

Nach einem gewaltigen Erdrutsch in Nachterstedt im östlichen Harzvorland ist ein Haus mit vermutlich drei Bewohnern in einen Tagebausee versunken. Die Behörden vermuten einen Zusammenhang mit der Braunkohleförderung. Für die drei Vermissten besteht kaum noch Hoffnung.

HB NACHTERSTEDT. Bei den drei Vermissten handelt es sich um die Bewohner eines Doppelhauses, das am frühen Samstagmorgen aus ungeklärter Ursache in dem See in der früheren Braunkohleregion versank, wie eine Sprecherin des Salzlandkreises sagte. Auch die Hälfte eines Mehrfamilienhauses sei eingestürzt und in den Tagebausee gerutscht. Bei einem der drei Vermissten - ein Ehepaar und ein Mann - war unklar, ob er sich zum Zeitpunkt des Erdrutsches im Haus aufhielt.

Inzwischen besteht für sie wenig Hoffnung. Sieben Stunden nach dem Unglück hatten die Rettungskräfte am Samstagmittag noch keinen Kontakt zu den Opfern im Alter von 48, 50 und 51 Jahren, teilten Kreisverwaltung und Polizei am Unglücksort mit.

Bei dem Unglück rutschte den Angaben zufolge eine Fläche auf einer Länge von rund 350 Metern ab, auch eine Straße versank. Weil weitere Erdrutsche befürchtet wurden, konnten zunächst keine Rettungskräfte zu den komplett vom Wasser bedeckten Haustrümmern vordringen. Das Doppelhaus stand rund 120 Meter vom Seeufer entfernt. Nachterstedt liegt in der Nähe von Quedlinburg südwestlich von Magdeburg.

Bei dem Gewässer - dem Concordia-See - handelt es sich um einen Tagebausee, der nach dem Abbau von Braunkohle geflutet wird. Der Braunkohle-Abbau in der etwa 2000 Einwohner zählenden Gemeinde war 1991 eingestellt worden.

In dem Gebiet hatte es in der Nacht geregnet, aber nicht so heftig, dass der Niederschlag als Grund für das verheerende Unglück angenommen wird. Polizei und Kreisverwaltung vermuteten einen Zusammenhang mit der früheren Braunkohleförderung.

Aus dem zur Hälfte eingestürzten Mehrfamilienhaus wurde den Angaben zufolge niemand vermisst, die Bewohner sind überwiegend im Urlaub. Am Unglücksort sind zahlreiche Feuerwehren, das Technische Hilfswerk und ein Polizeihubschrauber aus Thüringen im Einsatz. Mehr als 60 Bewohner aus umliegenden Häusern wurden in Notunterkünften untergebracht. Die Polizei sperrte den rund 350 Hektar großen Concordia-See für Sportboote und Schwimmer.

Nachterstedt ist eine Gemeinde, die zur Stadt Seeland im nordöstlichen Harzvorland gehört. Es handelt sich um eine frühere Braunkohleregion. Zu DDR-Zeiten bot die Braunkohle in Nachterstedt mehreren tausend Menschen einen Arbeitsplatz. Auch in anderen Regionen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen spielte der Tagebau zu DDR-Zeiten eine große Rolle.

Der Braunkohle-Abbau in Nachterstedt wurde nach Angaben der Kreisverwaltung des Salzlandkreises im Jahr 1991 eingestellt. Das Fördergebiet wurde geflutet. Aus dem Tagebau-Restloch wurde der Concordia-See, der sich zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt hat. Den zurzeit rund 350 Hektar großen See nutzen Schwimmer, Taucher und Wassersportler.

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