Taifun „Fitow“ wütet über Tokio
Weitere Tote durch „Felix“ befürchtet

Die Auswirkungen des Hurrikans „Felix“ in Nicaragua sind möglicherweise wesentlich katastrophaler als zunächst vermutet. Experten befürchten viele weitere Tote. Auch in Japan forderte ein Unwetter Tote und Verletzte und hinterließ Zerstörungen.

HB BUENOS AIRES/TOKIO. Weit mehr als die bisher bestätigten etwa 100 Menschen könnte der massive Wirbelsturm „Felix“ in den Tod gerissen haben, berichtete die Zeitung „La Prensa“ am Freitag unter Berufung auf den Major Carlos Solana vom Komitee für Spezialeinsätze der Streitkräfte Nicaraguas. Unterdessen kam durch den Taifun „Fitow“ in Japan mindestens ein Mensch ums Leben. Mindestens 77 Menschen erlitten nach Angaben örtlicher Medien teils schwere Verletzungen, als der neunte Taifun der Saison über die Hauptstadt Tokio hinwegpeitschte.

Dutzende Häuser wurden durch Erdrutsche teils schwer beschädigt, Flüsse schwollen an, Wasser- und Schlammmassen unterspülten Häuser. Zwar schwächte sich der Taifun auf seinem Weg Richtung Norden ab, doch warnten die Behörden weiter vor Stürmen und heftigem Regen.

In der Provinz Nagano wollte ein 76-jähriger Mann umgestürzte Bäume beiseite räumen, als er plötzlich von einem Baum erschlagen wurde, wie die Polizei meldete. In Tokio zerbarst die Fensterscheibe eines Zuges. Sieben Menschen wurden dabei verletzt. Am Rande der Hauptstadt musste die Feuerwehr 31 Menschen mit Hubschraubern und Booten aus den Fluten des stark angeschwollenen Tama-Flusses retten. Ein Mensch galt noch als vermisst.

In Sagamihara in Tokios Nachbarprovinz Kanagawa stürzte ein Mann beim Säubern eines Lagerhausdaches fünf Meter in die Tiefe und wurde schwer verletzt. Den Bewohnern von mehr als 20 000 Haushalten wurde nahegelegt, sich aus Gefahr vor Überschwemmungen in Sicherheit zu bringen. In mehr als 61 000 Haushalten war seit dem Vortag vorübergehend die Stromversorgung ausgefallen. Auch der Flug- und Bahnverkehr in Tokio und Umgebung wurde stark beeinträchtigt.

Der vom Pazifik kommende Wirbelsturm war in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) südwestlich von Tokio auf Land getroffen. In Irozaki in der Provinz Shizuoka wurden Windgeschwindigkeiten von rund 196 Kilometern in der Stunde gemessen, was einen Rekord für den Monat September darstellt. Es wurde erwartet, dass der Taifun an diesem Samstag über die nördliche Insel Hokkaido hinweg aufs Meer abzieht.

Auch drei Tage nach dem Durchzug von „Felix“ in Nicaragua gibt es noch weite Bereiche in der Region Atlantico Norte, die nicht kontrolliert worden seien, wie Major Solana berichtete. Der Hurrikan der höchsten Kategorie fünf war am Dienstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde über die Küsten des mittelamerikanischen Landes hinweggefegt. Medien berichten unter Berufung auf Augenzeugen von im Meer treibenden Leichen und Toten in den Sümpfen.

„Die Lage ist schlimmer, als zunächst gedacht“, sagte Nicaraguas Präsident Daniel Ortega. Nach Angaben des Zivilschutzes sind 70 000 Menschen betroffen, 18 500 wurden evakuiert und 16 600 Häuser zerstört oder beschädigt. Der größte Teil der Ernte sei ebenfalls zerstört. Bei den meisten Opfern handelt es sich um Indios vom Volk der Miskitos, die in der besonders armen Region Nicaraguas leben. Hilfsorganisationen riefen zu Spenden auf.

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